RAUM FÜR ENTWICKLUNGSPROZESSE

Der Verein a.l.s.o. bietet seit über 30 Jahren Menschen in Schwäbisch Gmünd und der Region Ostwürttemberg neue Perspektiven. Schwerpunkte sind soziale, kulturelle und berufsbezogene Projekte.
Foto: Kai Kalhh

Wie alles begann: Es war die Zeit, in der es Wartezeiten nach dem Studium gab. Und die Lehrer nicht gleich Arbeit fanden. Sich zu vernetzten, gemeinsam aktiv zu werden und unterschiedliche Dinge zu organisieren, das war der Geist der 80er Jahre. Anstatt sich hinzusetzten und zu warten bis ein Job kommt, selber aktiv werden, dass war die Devise vieler. Zwischenlösungen wurden gesucht, Selbsthilfe auf den Weg gebracht. Und so wurde 1984 der Verein a.l.s.o. von arbeitssuchenden Lehrern gegründet. Angebote wie Nachhilfe, eine kleine Druckerei oder die Spielzeugreparatur wurden organisiert. „So bekam der Verein, der aus diesen Ideen entstand, auch den Namen Selbsthilfeverein“, erinnert Karin Schwenk. Sie gehört zu den Pionieren der zweiten Stunde und leitet noch heute mit Ali Nagelbach die Geschicke des Vereins. Sich politisch zu engagieren und auch Kultur zu leben, habe immer eine Rolle gespielt. Straßentheater sei in den Anfängen organisiert worden.

Karin Schwenk und Ali Nagelbach im Kulturcafé. Das kann übrigens auch angemietet werden. Für private Feiern, wie Geburtstage oder Jubiläen.

In den achtziger Jahren habe es viele solche Arbeitsloseninitiativen gegeben. Viele führten eine gewisse politische Intension mit oder zumindest eine kulturelle. Manche seien nicht auf die professionelle Ebene aufgesprungen, die sich über Geldtöpfe angeboten hätte, so Ali Nagelbach. Andere hingegen hätten irgendwann nur noch diesen Weg gewählt und dabei das kulturelle ganz verloren. Ein wenig Stolz schwingt mit, als Nagelbach betont: „Wir gehören jedoch zu den wenigen, die den
Spagat geschafft haben, um beides aufrecht zu erhalten.“ Das sieht Nagelbach als Alleinstellungsmerkmal. Heute sorge das vielfältige Angebot des Sozialunternehmens für Einkünfte neben den Fördergeldern für die laufenden Projekte. Dazu gehören ein Gebrauchtmöbelkaufhaus, ein dort integrierter Flohmarkt, ein Bücherantiquariat, eine Holzwerkstatt zu der das Upcycling-Projekt edelwerk gehört und ein Dienstleistungsbereich, der Haushaltsauflösungen, Entrümpelungen, Kleintransporte, Umzugshilfe, Haus-und Gartenarbeiten und ähnliches übernimmt. Dieser Bereich schaffe wiederum auch intern Beschäftigungsmöglichkeiten für Arbeitssuchende. Dazu kommt das nicht kommerzielle Kulturcafé. Langzeitarbeitslosigkeit sei eines der Kernthemen, so Schwenk. „Wir bieten aber auch Raum für Begegnungen und Hilfen für Alleinerziehende Mütter und Migranten.“ Vor allem aber die Unterstützung bei Neuorientierung. Und dabei Wege in den Beruf zu entwickeln. Ziel sei es auch, durch diese Maßnahmen eine gute Zukunft für die Kinder entstehen zu lassen.

Karin Schwenk machte an der Tübinger Universität ihr Diplom in Sozialpädagogik und ging dann erst nach Stuttgart, um dort als Bildungsreferentin zu arbeiten. Danach kam die a.l.s.o. – Karin Schwenk füllte den Verein wieder mit Leben, als er 1986 nur noch auf dem Papier existierte. Sie verteilte Flugblätter, führte Menschen zusammen, organisierte Treffen. Nicht um gemeinsam Kaffee zu trinken, sondern um etwas gemeinsam zu gestalten. Die ersten Aufträge kamen, meist handwerkliche Arbeiten. So sei der erste mobile Dienst entstanden. Die a.l.s.o. sei immer eine Art Zwischenstation für Menschen gewesen, die sich neu orientieren wollen oder auch eine Phase benötigen, um sich zu sortieren und um zu schauen, welche Schritte die nächsten sein könnten. Mittlerweile beschäftigt das Sozialunternehmen a.l.so. e.V. 18 Angestellte und zwei Auszubildende. Karin Schwenk kannte auch die Fördertöpfe und wusste genau wo und wie sie welche Gelder beantragen konnte. Ziemlich schnell sei in den Anfängen auch der Landkreis und die Stadt eingestiegen, um Angebote für Arbeitssuchende zu installieren. Gute Rahmenbedingungen zu schaffen und Menschen auf einen guten Weg zu begleiten, sei der Kern ihrer Intensionen. Auch Ali Nagelbach ist schon lange mit viel Herzblut dabei. 1988 zog er nach Schwäbisch Gmünd und entdeckte prompt die a.l.s.o. – erst leitete er die Jugendgruppe, später dann ab 1993 die Möbelbörse. Neben der Geschäftsführung geben beide auch Coachings. Die Steckenpferde von Karin Schwenk sind Stressbewältigung und Selbstwertstärkung, denn nur wer stabil ist, könne auch wieder neue Perspektiven aufgreifen oder lernen.

Text: Susanne Rötter // Foto: Volker Adler

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