MANAGER MIT SOZIALER ADER

Rainer Schramel, Chef eines Autohauses.

Rainer Schramel bietet seinen Kunden einen guten, ehrlichen Service. Die Kunst, die er jeden Tag vollbringen muss, ist der Spagat zwischen den Kundenerwartungen und dem Preiskampf.

Foto: Volker Adler

Der Ford Mustang war schon immer sein Star. Mit ihm dreht er gern mal ein paar Runden. Beim Mustang stimme das Preisleistungsverhältnis. Privat fährt der Firmenchef allerdings keinen Sportwagen, dafür ist er zu pragmatisch, zu bodenständig. Aber ein Ford muss es immer sein. Und das nicht nur aus taktischen Gründen. Auch seine 40 Mitarbeiter fahren diese Automarke. So viel Leidenschaft wird im Unternehmen gern gesehen. Man lebt, was man den Kunden verspricht. Das die Angestellten nicht nur hinter der Marke sondern auch hinter ihrem Chef stehen und ihre Arbeit gern machen, beweist ihre langjährige Treue. Auf rund 5000 Quadratmetern Fläche, am Fuße des Kloster Lorchs, arbeiten sie Hand in Hand. Auch der Bruder Michael sitzt mit ihm Boot, doch ihm sei schon immer der technische Bereich mehr am Herzen gelegen als der kaufmännische. Rainer Schramel sieht sich als Mannschaftskapitän.

Mit dem Neubau in der Ziegelwaldstraße 26, konnte 2008 ein wichtiges Kapitel in der Firmengeschichte geschrieben werden. Es entstand damals ein Autohaus nach den neuesten Richtlinien und Erkenntnissen. „Der Level wird immer höher gesteckt, wer dabei bleiben will, muss investieren“, betont der 54-Jährige. Das Unternehmen ist in den vergangenen 50 Jahren stetig gewachsen. In dieser Zeit wurden im Autohaus Schramel über 100 Azubis ausgebildet. Klaus Weiler war einer von ihnen. Er arbeitete über 20 Jahre im Betrieb, er war der erste Meister. Heute ist er im Ruhestand. „Treffender wäre wohl eher der Begriff Unruhestand“, meint Schramel und schmunzelt. Denn Klaus Weiler sei nun wieder mit an Bord auf 450 Euro Basis. Er lasse die Autos zu und mache Besorgungen.

Loslassen konnte er nicht. Firmengründer Franz Schramel habe das auch nicht gekonnt, erinnert sich der Sohn. „Mein Vater kam jeden Tag in das Autohaus.“ Auch den Neubau am neuen Standort habe er begleitet, da sei der Senior aber bereits 74 Jahre alt gewesen. Anscheinend nicht zu alt, um noch mit anzupacken. „Mein Vater war KFZ-Meister, seine Autowerkstatt war sein Leben“, erzählt Rainer Schramel. Als er 1966 begann, seien die Uhren noch anders gelaufen.

Im Zentrum der Stadt Lorch stand ein altes Fachwerkhaus, das heute keinem Standard mehr genügen würde. Das Wohnzimmer der Familie diente auch als Büro, am Abend habe man dort die Rechnungen geschrieben. Die Mutter habe am Vormittag die Autos zugelassen und Ersatzteile besorgt. Unkompliziert sei damals alles gewesen. Es habe im Vergleich zu heute wenig unproduktive Mitarbeiter gegeben. Die Autos wurden zum Teil im Wohnzimmer der Kunden verkauft. Bezahlt wurde in bar. Finanzierung war verpönt. Der Trend der Finanzierungen sei erst ab den Neunzigern stetig gestiegen, meint Schramel. Arbeiter leisteten sich damals alle vier bis fünf Jahre einen neuen Mittelklassewagen. Und der schlug mit rund 9000 DM zu Buche. „Die Leute hatten mehr Geld zur Verfügung, es blieb mehr hängen“, so Schramel.

Das erste Geschäftshaus der Familie Schramel, mit Werkstatt.

Sechs Jahre wuchs der Betrieb langsam bis das Gebäude der Spitzhacke zum Opfer fiel. 1972 ging es dann für das Familienunternehmen im neuen Industriegebiet weiter. „Wir gehörten zu den Ersten, die diese Fläche bezogen.“ Heute stehen dort die Gebrauchtwagen. Unweit davon der Neubau. Führungskräfte arbeiten in Deutschland unter Hochdruck, das ist die Regel. Auch Rainer Schramel hat eine 60-Stunden-Woche. Gestresst wirkt er dennoch nicht. Das war nicht immer so. Seit er an seine Belastungsgrenze stieß, der Neubau war ein großer Schritt, achte er mehr auf die Work-Life-Balance. Seit 2010 fährt er regelmäßig Fahrrad, im Jahr rund 2000 Kilometer. Und einmal im Jahr rast er als Teilnehmer der Tour Ginkgo durchs Ländle, immerhin 300 Kilometer an drei Tagen. Das biete ihm einen guten Ausgleich. Und das auch noch für einen guten Zweck.

Auch sonst spende er öfter für soziale Zwecke. Eines seiner Kinder sei herzkrank gewesen. Das die Mediziner es retten konnten, grenzte an ein Wunder. Dafür will er der Welt etwas zurück geben. Nun steht der Firmenchef wieder vor einer neuen Aufgabe. Die Digitalisierung und die Elektrifizierung sind die nächsten großen Entwicklungen in der Autoindustrie. Er will, dass sein Autohaus für ein ehrliches Unternehmen steht. Ressourcen schonen, das liege auch ihm am Herzen. Dennoch sei für ihn die „Elektrovariante“ noch nicht alltagstauglich. Darüber hielt Schramel auch neulich einen Vortrag bei den Rotariern. Die neuen Hybrid-Wagen würden wenigstens die Vorteile eines konventionellen Verbrennungsmotors (Benziner) mit dem niedrigen Verbrauch und dem nahezu geräuschlosen Dahingleiten eines Elektrofahrzeugs – und das, ohne Einschränkungen bei der Reichweite oder längere Wartezeiten an Strom-Tankstellen in Kauf nehmen zu müssen, vereinen. Ford Fiesta EcoBoost und Ford Focus EcoBoost werden künftig auch mit mild HybridTechnologie verfügbar sein und führen den Reigen elektrifizierter Ford-Pkw und Nutzfahrzeuge an. Schramel bleibt auf dem Laufenden. Bucht alle möglichen Seminare bei Ford. Denn umfassende Beratung sei nur ein Service seines Unternehmens. Wenn manche Kunden dann Vergleiche anstellen und im Internet nach der günstigsten Variante suchen, lächelt er charmant: „Spätestens wenn das Schnäppchen Probleme macht, stehen sie wieder vor meiner Tür.“ Denn die Erwartungen seien meist größer als die Preisvorstellung.

Foto: Volker Adler // Text: Susanne Rötter

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