OHNE DICH SCHLAF ICH HEUT NACHT NICHT EIN

Aron Strobel im Interview mit Wolfgang Nußbaumer

Der Hüne hat grüne Augen. Sie passen zum Rasen des VfR-Stadions in Aalen. Dort wird Aron Strobel am 7. Juni seine fünf Gitarren auspacken. Sein Handwerkszeug, wenn der gebürtige Gmünder mit der Band „Münchener Freiheit“ auf Tour ist. Die Klampfen sind unterschiedlich gestimmt, weil der aktuelle Hit „Schwerelos“ eben anders gestrickt ist als ein Klassiker wie „Ohne dich schlaf ich heut Nacht nicht ein“. Die „Freiheit“-Fans jedenfalls können mit allem rechnen, was der Truppe lieb ist. Das sind ihre Lieder und die Lust „live“ zu spielen. Der 192Mann Aron Strobel erklärt im Interview, warum das so ist – und verrät noch einiges mehr.

GoForMore: Lieber Aron, als alte Schwaben haben wir uns auf das Du geeinigt. Das macht das Gespräch einfacher. Zum Beispiel die Frage, warum du fünf Gitarren mit dir rumschleifst. Das Leben ist doch schon schwer genug.

Aron Strobel: Das hat einen ganz pragmatischen Grund. Weil wir ja unterschiedliche Lieder spielen, brauche ich auch Gitarren mit unterschiedlichen Stimmungen.

Hast du deinen Instrumenten Namen gegeben, wie einst B.B. King seine „Gibson“-Gitarre „Lucille“ genannt hat?

AS: (lächelt) Die heißen nach ihren Stimmungen. Also E, G, C und so weiter. Das ist Handwerkszeug.

Was führt einen von der Rems an die Isar?

AS: Das Studium. Ich habe an der Uni München mit Soziologie angefangen.

Und wann aufgehört?

AS: Ziemlich bald. Die Musik war Schuld und das Schwabinger Flair.

Du hast damals mit „Callgirl“ Kohle gemacht.

AS: So hieß die Band, die ich Ende der Siebzigerjahre mitgegründet habe. Da gab’s noch jede Menge Clubs für Live-Musik. Das war eine tolle Zeit. Du bist mit einer Demokassette zum Chef einer Kneipe gegangen und hast einfach mal angefragt, ob man bei ihm spielen dürfe. Wir waren ziemlich angesagt.

Und warum habt ihr diese Erfolgsgeschichte nicht weitergeschrieben?

AS: 1981 habe ich den Stefan Zauner kennengelernt. Der hatte ein Jahr zuvor die Band „Münchener Freiheit“ gegründet. Wir haben uns auf Anhieb verstanden.

Seitdem bist du Berufsmusiker.

AS: Exakt. Bis heute. Und die meiste Zeit des Jahres auf Tour. (Er schränkt ein). Dieses Jahr geben wir nur noch 40 Konzerte. Eine angenehme Schlagzahl. Trotzdem ist man mit dem ganzen Drumrum 100 Tage weg von zuhause.

Wie erklärst du dir den ungebrochenen Erfolg deiner Truppe?

AS: Als wir angefangen haben, kam die neue deutsche Welle gerade ins Rollen. Da konnten wir mitschwimmen, obwohl wir – oder gerade weil – wir harmonische „Chormusik“ gemacht haben. Also nicht typisch waren für diesen Stil. Die „Münchener Freiheit“ war und ist halt immer etwas anders. Und ganz wichtig: „Live“ spielen auf der Bühne kann man durch nichts ersetzen.

Ihr habt ja etliche Ohrwürmer im Repertoire. Fliegen die einem einfach so zu?

AS: Also, zuerst ist da der Wunsch, einen guten Song zu machen. Irgendwann und irgendwo schwirrt da so ein Melodiefragment durch deinen Kopf. Du schreibst es auf – und dann kommt der Text.

Im stillen Kämmerlein?

AS: (lächelt wieder) Dem Einfall sind keine Grenzen gesetzt. Im Biergarten, in der Kneipe oder sonst wo – texten kannst du fast überall.

Als „Wassermann“ musst du ja kreativ sein. Allerdings gelten die Leute, die in diesem Sternzeichen geboren wurden, auch als schwierig, positiv gesagt: als sensibel. Kreativ bist du ja…

AS: (überlegt kurz) Beides trifft zu. Ich koche übrigens auch gerne; bin gerne weg – und gerne zuhause.

Du wohnst nicht in München.

AS: Nein, viel zu teuer. Stefan und ich haben damals in Schwabing gewohnt. Dort war die Bohème zuhause, die Künstler. Inzwischen gibt’s dort sogar wieder ein Kiosk, wo man bis 2 Uhr morgens Bier kaufen kann. Deshalb sind wieder mehr junge Leute unterwegs. Ich habe jetzt ein Häuschen bei Schrobenhausen.
Dort hast du auch Platz für dein Hobby, Oldtimer sammeln.

AS: Es sind nur fünf Stück. Mehr kann ich nicht bewegen.

Was heißt das denn?

AS: Ein Auto ist zum Fahren da.

Welches bewegst du den am liebsten?

AS: Ich bin Liebhaber genug für alle.

Für alles?
AS: (feixt jetzt richtig) Für alles.

Zurück zum Fuhrpark. Wer ist der Favorit?

AS: Ein 64er Jaguar E-Type, dunkelblau.

Was bewegst du sonst noch?

AS: Eine 73er Laverda (ein italienisches Sportmotorrad) und eine 83er Honda.

Bewegst du dich auch selbst?

AS: (lächelt mild) Mein einziger Sport ist, mit meinem Hund „Bolle“ durch den Wald zu gehen.

Letzte Frage mit der Bitte um eine ehrliche Antwort: Hast du eine Schwäche?

AS: Ich könnt’ fleißiger sein…

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