EIN STÜCK MAGIE

Ende Juli ist es soweit – das Festival Schloss Kapfenburg findet statt. Und das zum 20. Mal. Im Jubiläumsjahr stehen unter anderem James Morrison, Katie Melua und Wincent Weiss auf einer der wohl schönsten Festivalbühnen Deutschlands.

Der heimliche Star des Festival Schloss Kapfenburg ist die Kulisse. Denn wenn es Nacht wird auf der Ostalb und das ehemalige Deutschordensschloss in den schönsten Farben illuminiert wird, verschlägt es selbst Stammgästen für einen kurzen Augenblick den Atem. Es ist ein bisschen Magie im Alltag. Für die einen direkt vor der Haustür, für die anderen eine stundenlange Anreise wert. Manche kommen sogar regelmäßig aus Skandinavien, Holland oder Irland, um die musikalischen Sommernachtsträume zu genießen.

Begonnen hat alles mit einem Weltrekord. Im Sommer 2000 war das und bis zu 80 Meter lange Klaviersaiten verwandelten das Schloss in das größte Musikinstrument der Welt. Eine Urkunde des Guinness Buchs der Rekorde und gesprungene Saiten auf dem Dachboden zeugen noch heute davon. Irgendwann einmal will Akademiedirektor Erich W. Hacker die außergewöhnliche Saitenklang-Installation wieder in Betrieb nehmen, doch es gibt immer viel zu viel zu tun in der Musikschulakademie. Wie die Planung des Festivals. Vom Programm über die Gastronomie und Sicherheit hin zu Technik und Bühne will bis Juli alles organisiert sein. Wenn alles perfekt läuft, merkt der Zuschauer nichts von dem Aufwand, der hinter der Großveranstaltung steckt. Ein bisschen Magie eben.

Guinnessbuch verdächtig – Renate Hoffleit und Michael Bach Bachtischa spielen beim 1. Festival auf der Saitenklanginstallation, die das Schloss im Juli 2000 zum größten Instrument der Welt machte. ©Schloss Kapfenburg

Um diese zu ermöglichen, hält man es auf dem Schloss frei nach Sepp Herberger – nach dem Festival ist vor dem Festival. „Wir erstellen jedes Jahr im Sommer eine Liste mit mehr als 50 Künstlern, außerdem hat unser Booker Rainer Koczwara exzellente Kontakte. So gelingt es auch, Musiker aufs Schloss zu holen, die solche kleine Locations sonst gar nicht spielen würden“, erzählt Erich W. Hacker. Vier bis sechs aller angefragten Acts stehen dann tatsächlich auf der Festivalbühne. Schnelle Zusagen sind die Ausnahme. Für gewöhnlich wird über Wochen verhandelt, mit Zahlen und Terminen jongliert, ehe das Management eine Entscheidung fällt. Bisweilen dauert es sogar Jahre, ehe ein Vertrag zustande kommt. „LaBrassBanda wollten wir zum Beispiel seit 2009 für ein Konzert gewinnen, 2017 hat es endlich geklappt. Denen gefiel es dann so gut bei uns, dass sie quasi noch in der Konzertnacht für 2018 unterschrieben haben“, schmunzelt Hacker, nur um gleich wieder ernstere Töne anzuschlagen. „Als kleiner Konzertveranstalter, der an einen bestimmten Festivaltermin gebunden ist, braucht man neben Kontakten und einem guten Ruf viel Geduld. Spätestens seit es Streaming-Dienste gibt, verdienen Musiker ihr Geld nicht mehr mit CDs, sondern Merchandise, Gagen und Umsatzbeteiligungen bei Live-Auftritten. Da macht es schon einen Unterschied, ob sie vor 2.500 oder 6.000 Zuschauern spielen.“

Festivalmacher bei der Arbeit – Akademiedirektor Erich W. Hacker und Rainer Koczwara von der imk Konzertdirektion, der seit 20 Jahren die Künstler bucht, im Jahr 2007. ©Ralf Baumgarten.

Die schöne Location ist somit Segen und Fluch zugleich. „Unsere Kapazität bedeutet, dass wir vergleichsweise geringe Einnahmen haben, um das Festival zu finanzieren“, so Hacker. „Da fallen schließlich nicht nur die Gagen an. Wir bauen für die zwei Festivalwochen eine Infrastruktur im Wert eines kleinen Einfamilienhauses auf. Ohne unsere Partner wäre die Durchführung finanziell nicht möglich.“ Neben der Kreissparkasse Ostalb, der EnBW ODR AG und der VR-Bank Ostalb gehören Toto-Lotto Baden-Württemberg, die BWBank und Südleasing zu den Förderern. „Das sind die offiziellen Konzertsponsoren des Festivals“, führt Hacker aus. „Starke Medienpartner sind die SDZ Druck und Medien und Radio 7. Hinter den Kulissen erhalten wir ebenfalls unglaublich viel Unterstützung. Mixtown und die Ostalb PA kommen uns mit super Deals entgegen, ebenso Getränke Keller oder das Autohaus Widmann. Es sind zu viele Förderer, um alle zu nennen, aber wir sind jedem Einzelnen unglaublich dankbar.“

Rein theoretisch wäre es möglich, mehr Zuschauer auf das große Gelände zu lassen. Die Wiese neben der Lorenzkapelle ist ungenutzt, die Sitzplatztribüne könnte weiter nach oben ausgebaut werden. Eine Erhöhung der Kapazität ist für den Akademiedirektor allerdings keine Option. „Ich finde es furchtbar, bei einem Konzert wie eine Ölsardine eingeklemmt zu sein und das Geschehen auf der Bühne nur über Monitore verfolgen zu können. Neben der Kulisse macht der intime Charakter auf dem Schloss doch den besonderen Charme des Festivals aus. Darauf würde ich für keinen Gewinn der Welt verzichten, auch wenn wir das Geld als Stiftung, die sich zu 75% selbst finanzieren muss, gut gebrauchen könnten.“

Blick auf das Festivalgelände aus der Luft beim ausverkauften Konzert von LaBrassBanda 2018. ©Linus Spitznagel

Denn 20 Jahre Festival Schloss Kapfenburg bedeuten auch 20 Jahre Internationale Musikschulakademie Schloss Kapfenburg und Förderung der musizierenden Jugend. Die Stiftung ermöglicht jungen Musikern Probenaufenthalte und setzt sich für Prävention und Musikergesundheit ein. Die Konzertveranstaltungen dienen lediglich dazu, das 800 Jahre alte Anwesen – trotz des privaten Stiftungscharakters – allen Menschen offen zu halten und der Musik im Alltag einen Stellenwert einzuräumen. Ein bisschen, Sie ahnen es schon, Magie.

Tickets für das Festival Schloss Kapfenburg sind auf www.schloss-kapfenburg. de, unter Fon +49 7363 96 18 17 sowie an allen CTS-Vorverkaufsstellen erhältlich.

Karten sind noch erhältlich für:

Dienstag, 23. Juli 2019, 20.30 Uhr, Festivalbühne Wincent Weiss – Irgendwie Anders Sommertour 2019
Freitag, 26. Juli 2019, 20.30 Uhr, Festivalbühne Katie Melua & Band – Summer 2019 Support: Paradisia
Sonntag, 28. Juli 2019, 20.30 Uhr, Festivalbühne James Morrison – Summer Open Air 2019 Support: Frontm3n

 

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Kultur

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