Die Geschichte der Stadt Schwäbisch Gmünd

Von den Staufern bis heute

Geschichte Schwäbisch Gmünd – von den Staufern bis heute

Der Limes – ein von römischen Legionären im 2. Jahrhundert n. Chr. errichteter Grenzwall – führte durch die Gegend um Schwäbisch Gmünd. Die Alamannen überwanden gegen Ende des 3. Jahrhunderts diesen Schutzwall und siedelten sich in den bereits von den Römern aufgegebenen Gebieten an. Im 9. Jahrhundert wurde „Gamunias“ (Gmünd), im Herzogtum Alamannien gelegen, erstmals als Grundbesitz des Klosters St. Denis bei Paris, genannt.

Stadtrecht erlangte Gmünd bereits unter König Konrad den Dritten zwischen 1138 und 1152 und konnte nach der Herrschaft der Staufer den Status einer freien Reichsstadt erlangen. Wahrscheinlich ist jedoch, dass die Staufer bereits am Beginn des 11. Jahrhunderts Siedlungen an der Mündung verschiedener Bäche dieser Region zu einer größeren Ortschaft ausbauten.

Im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit gelang es durch den Handel mit Tuch und Wein aber auch durch die Produktion von Sensen und deren Verkauf im damaligen Europa Wohlstand aufzubauen und durch den Besitz von Klöstern und des Spitals ein eigenes überschaubares Staatsgebiet zu schaffen.

Wichtig für die Geschichte von Schwäbisch Gmünd ist, das bereits seit dem 14. Jahrhundert existierende Gold- und Silberhandwerk, welches sich ab dem 17. Jahrhundert zum Hauptgewerbe der Reichstadt entwickelte. Die Kunst der Zunft bestand in der Herstellung von Broschen, Beschlägen, Schließen und Rosenkränzen sowie Ablasspfenningen für die Wahlfahrt.

Von 1849 bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges erfuhr Gmünd einen kontinuierlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Zahlreiche Fabriken wurden gegründet und erst der Krieg stoppte den Aufwärtstrend der Gold- und Silberindustrie, der jedoch danach sofort wieder anstieg, da die Mark geschwächt war und in Gold und Silber investiert wurde. Bis 1923 hielt diese Entwicklung an, danach kamen schwere Zeiten auf Gmünd zu, da sich die Mark ab 1926 wieder stabilisierte und die einseitige Industrie zu großer Arbeitslosigkeit führte und es 1934 zum Notstandsgebiet erklärt wurde.

Eine kulturelle Hochblüte erlebte die Stadt nochmals Mitte des 18. Jahrhunderts dank der pompösen Ausstattung der Kirchen, den schönen Patrizierhäusern sowie den neu gestalteten Marktplatz. All das ist bis heute charakteristisch für das spätbarocke Flair von Schwäbisch Gmünd.

1803 beendete der Reichsdeputationshauptschluss nach dem Frieden von Luneville das Dasein der Stadt als freie Reichsstadt. Gmünd und seine Ländereien wurden dem Königreich Württemberg einverleibt. Neuen Wohlstand brachte die 1861 in Betrieb genommene Remstalbahn, die neue wirtschaftliche Möglichkeiten schuf und die Stadt in den Anfängen des Deutschen Reichs zur Nummer eins der silberverarbeitenden Industrie in Deutschland machte.

Glücklicherweise wurde die Stadt während des zweiten Weltkriegs nicht zerstört und wurde im April 1945 von den amerikanischen Truppen eingenommen. Eine große Herausforderung für die Stadt stellte im Jahr 1949 die Aufnahme von rund 8.000 Vertriebenen aus dem Sudetenland dar, die zum Teil eigene Industrie, insbesondere Glas- und Schmuckwarenherstellung, in der Gegend einführten.

Aufgrund der hohen Bevölkerungszahl wurde der Wohnbau nach den Kriegsjahren zur Hauptaufgabe. Viele Siedlungen entstanden zwischen 1950 und 1953. Vermehrt wurde von Heimatvertriebene mit dem Bau von Doppelhäusern begonnen und die Amerikaner bauten für ihre Angehörigen eine Wohnsiedlung gegenüber der Kaserne.

1952 wurde die Gablonzer Wohnbaugesellschaft gegründet, um den Arbeitern der Industriebetriebe für Modeschmuck und Glasverarbeitung Wohnraum bieten zu können. 1972 führte die gelungene Integration zum Zusammenschluss der Gmünder Siedlungsgesellschaft und der Gablonzer Wohnbaugesellschaft, welche in den darauffolgenden Jahren zu zahlreichen Baumaßnahmen unter sozialpolitischen Gesichtspunkten führte.

Dem wirtschaftlichen Aufschwung der Mitte 50er Jahre konnte nur standgehalten werden, in dem aus vielen Mittelmeerländern, wie Italien, Griechenland, Spanien, und Jugoslawien Arbeitskräfte angeworben wurden. 1971 war der Bedarf an Gastarbeitern so groß, dass bereits 10,3% der Arbeiter nicht aus Deutschland stammten. Dieses Anwerben wurde erst 1973 aufgrund der Ölkrise und der daraus folgenden Arbeitslosigkeit gestoppt.

Bekanntheit erlangte Gmünd auch durch die ab 1983 aufgestellten Pershing II-Raketen, die von der amerikanischen 56th Field Artillery Brigade, welche seit 1951 in den beiden Gmünder Kasernen stationiert war, betreut und bewegt wurden. Friedensbewegungen und Demonstrationen sollten das Wettrüsten und die Gefahr eines Atomkrieges verhindern und so nahm die UdSSR 1987 wieder Verhandlungen mit Amerika auf und im Dezember konnte das Intermediate Range Nuclear Forces Abkommen unterzeichnet werden, das die Verschrottung aller Mittelstreckenraketen weltweit vorsah. 1991 zogen die US-Truppen ab und die Geschichte als Garnisonstadt ging nach fast 200 Jahren zu Ende.

Susanne Trautenberg

Bücher über Schwäbisch Gmünd

 

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