ES MUSS NICHT GLEICH BIS NACH SANTIAGO SEIN

Ich bin dann mal weg

Seit über 1000 Jahren wandern Pilger zum Grab des Apostels Jakobus in der spanischen Stadt Santiago de Compostela. Aber auch in ganz Deutschland ist ein Jakobspilgerweg ausgeschildert. Sandra Fischer machte sich auf den Weg.

macht: Pilgern auf dem Jakobsweg. Erst recht zum ganz großen Ziel, der Stadt Santiago de Compostela in Nordspanien. In der dortigen Kathedrale sollen die Gebeine des Hl. Jakobs liegen. Aber es kann ja nicht gleich jeder wochenlangen Urlaub nehmen, Hund und Katze „lebe wohl“ sagen und das Haus verlassen.
Schön, dass über ganz Deutschland verstreut Jakobswege ausgeschildert sind. So eignen sich kurze Etappen, deren Anfangs- und Endpunkt mehr oder weniger bequem mit dem Zug oder Bus zu erreichen sind, für eine kleine Auszeit vom Alltag oder einen Kurzurlaub. Zudem sind die hiesigen Wege eine gute Gelegenheit ins Pilgern hinein zu schnuppern.

Seit Rucksack packen und los geht´s. Nur mit dem nötigsten bepackt gehe ich aus dem Haus. Schon bald bin ich auf „gelb-weiß“ fixiert. Eine gelbe, manchmal weiße, Muschel auf blauem Grund markiert immer wieder den Weg. Keine allzu großen Umwege, die Einbindung kirchlicher Traditionen, wie Wallfahrtskirchen, und unbefestigte statt asphaltierte Wege, sieht die Jakobusgesellschaft in ihren Leitlinien vor. Manchmal verzwickt, wenn die Natur das Schild umwuchert. Mist, verlaufen. Manchmal muss ich wieder kehrtmachen. Mein Smartphone leistet mir gute Hilfe.

„RUCKSACK PACKEN UND LOS GEHT´S.

NUR MIT DEM NÖTIGSTEN BEPACKT GEHE ICH AUS DEM HAUS.“

 

 

„Die Tagesplanung ist so einfach: Einfach weitergehen, immer weiter und immer weiter. Nichts anderes ist zu tun. Was passieren soll, wird passieren.“
Werden Städte passiert, linse ich in die Schaufenster der Geschäfte. So viele schöne Sachen. Eine neue Hose anprobieren? Doch nicht so, wie ich beieinander bin. Leicht verschwitzt, die klobigen Wanderschuhe an den Füßen und überhaupt, brauche ich das jetzt? Eher brauche ich eine leichte Brise, die mir das Haar aus dem Gesicht hält. Ein bisschen Sonnenschein, der mich angenehm wärmt. Eine trockene Bank, auf der ich kurz ausruhen kann. Ein tolles Bilderbuch-Panorama, an dem sich mein Herz erfreuen kann und das mir auf dem Weg geschenkt werden kann. Statt einer neuen Hose nehme ich etwas in die Hand, das ich am Wegrand finde. Vielleicht ein leeres Schneckenhaus, ein bizarr geformtes Blatt oder einen glatten Stein. Ich verschließe meine Faust um dieses Natur wunder, spüre es und trage es ein Stück bei mir. Irgendwann lasse ich es wieder los und halte nach etwas anderem Ausschau. Wer nach Hause kommt, hat oft viel Urlaubswäsche. Ich nicht. Es passt (zum Glück) nicht allzu viel rein in einen Rucksack, den ich täglich viele Kilometer lang tragen muss. Leicht und doch innerlich erfüllt komme ich zu Hause an. Und überlege, wann ich weitergehen will.

Sandra Fischer

Gute Adresse für alles rund ums Pilgern in Deutschland und zur Anforderung eines Pilgerausweises:
Deutsche Jakobusgesellschaft in Aachen www.deutsche-jakobusgesellschaft.de. Der fränkisch-schwäbische Jakobsweg führt von Würzburg über Rothenburg o.d.Tauber, Abtsgmünd-Wöllstein über Böhmenkirch nach Ulm über eine Gesamtstrecke von 268 Kilometer in rund elf Etappen.

Text & Fotos: Sandra Fischer

 

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