„DIE EMOTIONEN DES AUGENBLICKS EINZUFANGEN, IST DAS SPANNENDSTE“

Der Werbe- und Industriefotograf Volker Adler fühlt sich sowohl mit dem Fotoapparat im Studio als auch an extremen Orten zuhause. Das können eine winzige WG-Küche in Heidelberg oder die Berge von Nepal sein.

Berufung statt Beruf, so bezeichnet Volker Adler seine Leidenschaft. Seit mehr als 15 Jahren arbeitet der 41-Jährige als Industrie- und Werbefotograf. „Angefangen hat es im Alter von zwölf Jahren“, erinnert er sich. „Da habe ich durch Zufall bei einer Tombola eine alte ‘Agfa Clack’-Rollfilmkamera gewonnen.“ Zwei Jahre nach seinem Tombola-Gewinn kaufte sich Volker Adler schließlich seine eigene Spiegelreflexkamera. Trotzdem war sein Weg zum Fotografen keine gerade Strecke, sondern eher ein verschlungener Pfad. Er lernte Heizungsbauer und arbeitete danach drei Jahre in seinem Ausbildungsberuf. In der Zeit kristallisierte sich seine Leidenschaft für die Fotografie immer stärker heraus. Bis er sich schließlich dazu entschied, eine Ausbildung als Fotograf zu machen.

FOTOGRAFIEREN, NICHT KNIPSEN

Sein Handwerk lernte er in einem Fotostudio für Industrie- und Werbefotografie in Leonberg mit Analog-Fotografie von der Pike auf. Die auf Mittel- und Großformat geschossenen Filme entwickelte er im studioeigenen Labor selbst. „Es war spannend, aber auch anstrengend“, so Volker Adler. „Wir waren viel in Deutschland und zum Teil auch europaweit unterwegs. Meist kamen wir mit einem Kleintransporter voll Equipment zum Arbeitsort.“ Seine Ausbildungszeit möchte er nicht missen. Die gesammelte Erfahrung kommt ihm noch heute bei seiner Arbeit zugute: „Die Lichtführung, das Motiv und die Bildkomposition müssen immer noch stimmen, damit ein gutes Bild entsteht. Ob es auf Film belichtet oder auf einer Speicherkarte gespeichert wird, spielt dabei keine Rolle. Natürlich kann man in der Nachbearbeitung viel machen, aber eigentlich sollte das Ziel von jedem Fotografen sein, ein perfektes Bild aus der Kamera zu bekommen. Alles andere ist nicht Fotografie, sondern Knipsen“, sagt der Fotograf scherzhaft. Das Shooting mit dem damaligen Formel-1-Fahrer Adrian Sutil ist ihm besonders in Erinnerung geblieben. Der Formel-1-Profi benötigte Porträts für Autogrammkarten. „Neben den Porträts haben wir auch Aufnahmen während der Fahrt auf dem alten Flugfeld in Malmsheim gemacht. Wir sind mit dem Auto voraus gefahren, ich habe aus dem offenem Kofferraum, mit einem Klettergurt gesichert, fotografiert und er kam in ungefähr einem Meter Abstand mit dem Porsche hinterher.“ Nach Ende seiner Ausbildung arbeitete Volker Adler, mit einer zweijährigen Unterbrechung als Freiberufler, bei seinem Ausbildungsstudio als Fotograf in Anstellung und später als Studioleiter. Vor einem Jahr wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit.
Auf ein bestimmtes Thema legt sich der Fotograf bei seiner Arbeit nicht fest. „Es reizt mich, den richtigen Moment festzuhalten, wenn ich Personen fotografiere“, erklärt er. „Im richtigen Moment abzudrücken, um die Stimmung und die Emotionen des Augenblicks einzufangen – das ist das Spannendste.“ Bei der Produktfotografie dagegen zählt für ihn, die Produkte bestmöglich in Szene zu setzen. „Man hat nicht immer den Ferrari vor der Linse, sondern manchmal einfach eine schwarze Plastikkiste in der Technik verbaut ist.“ Ein langweilig wirkendes Produkt durch Perspektive und Licht attraktiv aussehen zu lassen, sieht er als Herausforderung.

SONNE UND GLAS

Eine willkommene Herausforderung war für ihn auch das Fotografieren der BMW-Welt in München. Der Auftrag kam von einem Kunden, der Glasbeschichtungen herstellt. Je nach Sonnenstand veränderte sich das Glas am Gebäude. Deshalb begleitete Volker Adler die Lichtveränderungen vor Sonnenaufgang bis nach Sonnenuntergang fotografisch: „Ich saß ungefähr 16 Stunden vor dem Gebäude mit der Kamera auf einer Verkehrsinsel. Im Lauf des Tages kamen immer wieder LKWs vorbei. Der erste LKW-Fahrer stieg an der roten Ampel einfach aus und hat mir einen Schnupftabak angeboten. Ein Zweiter kalte Getränke.“

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EXTREME ARBEITSORTE

Derzeit arbeitet der Fotograf an einem Projekt mit der DRK-Bergwacht in Baden-Württemberg. Für die Imagekampagne erstellt Volker Adler die Bilder. Dafür begleitet er die Männer und Frauen bei ihrer Arbeit und ist an extremen Orten unterwegs: im Fels, auf Bäumen bei einer Gleitschirmfliegerbergung oder im Baukran bei einer Höhenrettung. „Da zu fotografieren, ist schon alleine vom Umfeld her eine Herausforderung“, so der kreative Handwerker. Höhenangst hat er nicht, schließlich ist der Bergsport sein Hobby, das er manchmal mit seinem Beruf verknüpft. Für den Bergsporthersteller VAUDE machte er 2006 in Nepal am Tharpu Chuli die Aufnahmen für den Winterkatalog während einer Skiexpedition. Solche Shootings sind auch für ihn anstrengend, obwohl er ein erfahrener Bergsteiger ist: „Ich habe durch die Kameraausrüstung mehr Kilos dabei als die Kollegen und mit der Kälte ist das auch immer so eine Sache. Aber hinterher freue ich mich umso mehr über die entstandenen Bilder.“

Volker Adler ist ein Fotograf alter Schule. Sein Wissen aus der Analogfotografie überträgt er heute auf digitale Bilder. Trotzdem muss für ihn ein gutes Bild bereits beim Auslösen des Knopfes entstehen – egal, ob in eisiger Kälte, im Kofferraum eines fahrenden Autos oder im warmen Studio.

WORKSHOPS

Volker Adler gibt zusätzlich Fotografie-Workshops für interessierte Hobbyfotografen oder solche die es werden wollen. „Die Workshops sind für Leute gedacht, die bisher nur im Automatik-Modus knipsen“, so der Fotograf. Er gibt mit den Seminaren Hilfestellung, damit sich die Freizeit-Fotografen in Zukunft auch ans manuelle Fotografieren trauen.

Text: Juliane Pröll // Fotos: Volker Adler

 

 

 

 

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