KANN MAN GLÜCK ESSEN?

Das Glück ist der Gegenpol zum Unglück, oder eher klinisch, zur Depression. Wie wäre es wohl, wenn man das Glück einfach mit der Nahrung aufnehmen könnte?

Sonst geht es beim Glück eher um Aktivitäten, die einen FLOW-Zustand begünstigen. Dieser Begriff geht auf den amerikanischen Glücksforscher und Psychologen Mihaly Csikszentmihalyi zurück. Der Zustand des FLOW ist charakterisiert durch Aktivitäten, die herausfordern aber nicht überfordern. Überträgt man Csikszentmihalyis Erkenntnisse zum Beispiel auf das Kochen, so wäre die alltägliche Essenszubereitung dann glücksfähig, wenn man sich Kochrezepte aussucht, die ein gerade noch zu bewältigendes Anforderungsniveau haben. Dann wird bereits das Kochen selbst zum Flow – oder auch zum Glückserlebnis. Schaut man nun welches Essen am ehesten Glück verheißt, so darf natürlich nicht fehlen, dass man sich auch unglücklich essen kann. Ganz anschaulich zeigt dies der Film des amerikanischen Regisseurs Morgan Spurlock: SUPERSIZE ME, den er in Reaktion auf eine Schadensersatzklage zweier massiv übergewichtiger Mädchen gegen McDonalds drehte.

Die Mädchen machten McDonalds den Vorwurf, dass sie nur deshalb dick seien, weil sie sich mit Fast Food ernährt hätten. Die Klage wurde zurückgewiesen. Spurlock wollte wissen was passiert, wenn man sich einen Monat lang nur bei McDonalds ernährt. 30 Tage lang nahm er nichts anders zu sich. Zu seinen selbst auferlegten Vorgaben gehörten drei Mahlzeiten pro Tag, jedes Produkt auf der Speisekarte mindestens einmal und nicht mehr als 2000 Schritte gehen pro Tag. Immer wenn er gefragt wurde, und nur dann, bestellte er ein Supersize Menü, also die maximale McDonalds Größe. In den USA bedeutet das, man bekommt einen ganzen Liter Coca Cola dazu. Was passiert? Spurlock nimmt rapide zu, sein zuvor idealer Cholesterinwert steigt um 65 Punkte, die Leberwerte werden bedenklich. Am Ende seines Experiments hat er rund zwölf Kilo an Gewicht zugenommen. Schon nach drei Wochen zeigt sich sein Allgemeinarzt alarmiert. Die inzwischen katastrophalen Leberwerte seines Patienten vergleicht er entsetzt mit denen eines Alkoholikers: „Wären sie Alkoholiker, wäre ich nicht überrascht, aber dass so etwas vom Fast-FoodEssen kommen kann…“, staunt der Internist und rät Spurlock, das Experiment sofort abzubrechen, um bleibende Schäden oder ein Leberversagen zu vermeiden. Doch der Filmemacher hält durch. Bald zeigt Spurlock auch psychische Veränderungen: Er ist fahrig oder lethargisch, schleppt sich durch den Tag, seine Laune bessert sich nur, wenn die nächste Mahlzeit ansteht. Suchtverhalten stellt sich ein, das alle Lebensbereiche erfasst. Selbst sein Sexualleben wird durch die Burger-Diät beeinträchtigt. Das Resumee: Spurlock weist nach einem Fast-Food Monat Anzeichen einer depressiven Symptomatik auf.

ES GEHT AUCH ANDERS!

Eine im Journal of the American Medical Association veröffentlichte Studie, vermutet einen Zusammenhang zwischen der sogenannten Mittelmeerdiät, die überwiegend aus Gemüse, Obst, Nüssen und Fischen besteht und dem Ausbleiben einer Depression. Im Rahmen dieser Studie wurden 10.000 gesunde Spanier zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Wer sich besonders strikt an die Mittelmeerdiät hielt hatte eine deutlich geringeres Risiko an einer Depression zu erkranken. Dies liegt vermutlich an den sogenannten Botenstoffen. Der menschliche Körper ist eine kleine Chemiefabrik. Er ist in der Lage sogenannte Glücksstoffe zu produzieren. Die Produktion dieser Stoffe kann man durch Ernährung etwas beeinflussen. Eine große Rolle scheint hier Serotonin zu spielen. Serotonin ist ein Botenstoff, der bei Depressiven im Blutserum um ca. 50 Prozent niedriger ist als bei Nicht-Depressiven. Serotonin gilt als Botenstoff der inneren Ruhe, der Ausgeglichenheit und des Glücks. Gebildet wird es auf natürlichem Weg mit Hilfe von Tryptophan einer essenziellen Aminosäure. Sie kann vom Körper nicht selbst gebildet werden und muss mit der Nahrung zugeführt werden.

Kakao weist neben dem hohen Fettanteil zusätzlich eine Vielzahl verschiedener, teils wertvoller Inhaltsstoffe auf. Schätzwerte liegen bei rund 300 verschiedenen Substanzen. Die wichtigsten sind: Arginin, Dopamin (Neurotransmitter), Histamin, Magnesium, Serotonin (Neurotransmitter), Tryptophan. Die stimmungsaufhellende Wirkung nach dem Verzehr von Kakao wird durch einen Anstieg des Serotonin- und Dopaminspiegels hervorgerufen. Zuckerhaltige Zubereitungen aus Kakao – wie Schokolade – verstärken diese Wirkung durch die weitere Steigerung der Serotonin- und Dopaminproduktion. Das enthaltene Phenylethylamin dagegen wird zu schnell im Körper abgebaut, um eine Wirkung zu erzielen, die enthaltenen Mengen an Dopamin und anderen Stoffen sind zu gering, um eine direkte Wirkung zu erzeugen. Tryptophan konkurriert beim Durchgang durch die Blut-Hirn Schranke mit anderen Aminosäuren. Kohlenhydrate erleichtern es Tryptophan ins Gehirn zu kommen. Bitterschokolade gilt als gesündeste Schokoladenvariante.

BANANEN

Die Banane enthält zwar nur 18 Milligramm Tryptophan. Das ist weniger, als andere Lebensmittel enthalten. Dafür liefert sie reines Serotonin. Isst man die Bananen mit etwas Honig, sorgt der Honig dafür, dass alle anderen Aminosäuren vom Insulin in die Muskeln transportiert werden und nur Serotonin und Tryptophan ins Gehirn gelangen.

LINSEN

Wie alle Hülsenfrüchte besitzen auch Linsen einen hohen Eiweißgehalt. In Kombination mit anderen eiweißhaltigen Lebensmitteln sind sie ein vollwertiger Fleischersatz. Um in den Genuss möglichst aller essenziellen Aminosäuren zu kommen, ergänzt man sie am besten mit Kartoffeln, Gemüse, Salat, Getreideprodukten, Nüssen und Samen, aber auch mit Eiern oder Milchprodukten. Der Anteil an komplexen Kohlenhydraten liegt bei mehr als 50 Prozent, Linsen sättigen also gut und lang anhaltend. So kann kontinuierlich Glucose an die Körperzellen abgegeben werden, ein wichtiger Energielieferant für Gehirn und Nerven. Da Linsen – wie alle Hülsenfrüchte – einen niedrigen glykämischen Index aufweisen, sind sie ein ideales Nahrungsmittel für Diabetiker. Und jetzt der Clou: Schwaben wissen offensichtlich schon lange wie man sich sein eigenes Glück im Winter macht: Mit Beginn der dunklen Jahreszeit und damit auch mit dem Beginn des Winterblues kommen sie auf den Tisch. Die Linsen mit Spätzle. Und wenn ich an einen alten Freund denke, dann weiß ich, dass es jetzt höchste Zeit für die jährliche Einladung zu eben diesem Gericht wird. Wir sind beide der Meinung, dass es nichts Besseres gibt, als mit ein paar Leuten „Linsen mit Spätzle“ zu essen und damit der Winterdepression zu entkommen.

WEITERE AMINOSÄUREN DIE GUTE LAUNE BEGÜNSTIGEN:

Phenylalanin: Hilft Noradrenalin, Dopamin und Endorphine zu bilden. Ist in Käse, Fleisch, Fisch, Nüssen, Reis, Ei Tyrosin: wird aus Phenylalanin hergestellt, hilft Dopamin, das für die Entstehung des FLOW-Gefühls mitverantwortlich ist, herzustellen. Enthalten in Käse, sehr viel in Parmesan, Erbsen, Sojabohnen, Fleisch. Serin: Sojabohnen und Erdnüsse. Lysin: Fisch und Hülsenfrüchte.

TRYPTOPHAN KOMMT IN DEN FOLGENDEN LEBENSMITTELN VOR:

Camembertkäse (0,37g/100g), Kalbfleisch (0,35g/100g), Erdnüsse (0,32g/100g), Sonnenblumensamen (0,31g/100g), Thunfisch (0,3g/100g), Hühnerei (0,23g/100g), Haselnüsse (0,2g/100g), Kakaobohnen (Schokolade), Haferflocken (0,19g/100g), Weizenkeime (0,16g/100g), Datteln und Bananen.

Ja, man kann Glück essen!

Text: Dipl. Psych. Margit Nowotny // Foto: privat

 

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