MACHER & MANAGER HERR AUF SCHLOSS KAPFENBURG

ERICH W. HACKER IST SEIT 20 JAHREN IMMER ERREICHBAR

Erich W. Hacker, der ursprüngliche Lehrer für Musik und Mathematik hat auf der Kapfenburg seine Heimat gefunden. Sein beruflicher Wertegang, zu dem auch ein Magisterstudium im Fach Kulturmanagement gehört, prädestinierte ihn als geeigneten „Schlossherrn“. Nach 20 Jahren blickt er stolz zurück.

Seit 1998 leiten Sie als Direktor die Musikschulakademie Kulturzentrum Schloss Kapfenburg. Was muss man mitbringen, um eine solche Aufgabe erfolgreich zu meistern?

Sehr viel Idealismus und Engagement und natürlich auch den Willen etwas zu gestalten und ein besonderes Aufgabengebiet umzusetzen. Der Knackpunkt: Schloss Kapfenburg ist eine Stiftung, in unserem speziellen Fall bedeutet das, wir müssen uns zu 75 Prozent selber finanzieren. Diese Struktur macht die Arbeit zu einem besonderen Projekt. Seit 20 Jahren bin ich immer mit dem Handy unterwegs und erreichbar. Für mich waren von Anfang an viele Emotionen im Spiel. Als ich zum ersten Mal den Schlosshof betrat, dachte ich bei mir: „Mensch jetzt kannst du dir mit dem Schloss deine Märchen – und Kindheitsträume erfüllen!“ Bis heute treibt mich die Liebe zu diesem Bauwerk, das im Übrigen niemals zerstört wurde an. Auf Elba strickte ich dann ein Konzept, aus meiner Erfahrung als Veranstalter von Konzerten, denn es war mir klar, dass sich dieses Projekt mit den Vorgaben nicht selber trägt. Kultur und Bildung waren nicht genug, wir mussten uns überlegen, was wir sonst noch alles machen. Das Thema Tourismus gehört auch dazu sowie unser Restaurant Fermata. Das, was sich daraus erwirtschaften lässt, fließt dann in unsere Stiftung, um die enormen Betriebskosten zu decken.

Wie sah der Anfang aus? Wer unterstützte Sie?

Ein guter Start – bedingt durch gute Mitarbeiter, ein engagiertes Stiftungsgremium und ein ebenso engagierter Vorstand, auch die Wirtschaft war begeistert, dass aus diesem Bauwerk wieder etwas gemacht wird. Es gab viel Rückenwind. Und ich hatte die Vision, was eben daraus entstehen kann. Für das Kulturprogramm, die Festivals hatten wir nie eigene Mittel und haben dennoch einiges auf die Beine gestellt. Wir haben alles selber erwirtschaftet. Das muss uns erst einmal jemand nachmachen. Die Mischung aus Eintrittsgeldern, Sponsoren, Engagement und Gastronomie ergibt eine Kostendeckung für alle Veranstaltungen.

Was ist denn die eigentliche Aufgabe der Musikschulakademie?

Die Musikschulakademie bietet mit 130 Betten, Musikern die Möglichkeit in Ruhe Programme zu erarbeiten und zu proben. Die Lehrer werden mitgebracht und wir sorgen für die Infrastruktur. Das ist unsere eigentliche Auf-gabe und dann für Lehrkräfte und Schulleiter Fortbildungsprogramme anzubieten und selber zu gestalten, auch Dozenten zu suchen und das dann hier auf Schloss Kapfenburg durchzuführen.

Gibt es einen Schwerpunkt bei dem Thema Bildung?

Wir haben uns Präventionsmaßnahmen auf die Fahne geschrieben. Es geht darum, junge Musiker körperbewusst zu erziehen um Krankheiten, die oft durch Überbelastung beim Spielen oder eine falsche Haltung entstehen, zu vermeiden. Wir bilden auch Lehrer aus, die dann sofort eingreifen können, wenn sie merken, dass es zu einer gesundheitlichen Verschiebung kommt. Wenn der Lehrer eine entsprechende Ausbildung hat, auch einen medizinischen Hintergrund, kann er auf uns zukommen. Wir arbeiten mit dem Freiburger Institut für Musikermedizin zusammen, dort sind rund 30000 Krankheitsbilder von Musikern registriert, das war unser Tool, aufgrund dessen haben wir eine große Studie machen lassen. Dieses Präventionsprogramm wird finanziert unter anderem von der Techniker Krankenkasse und der Deutschen Rentenversicherung Baden Württemberg. Dieses Programm ist einmalig in Deutschland für Musiker. Das ist unser Schwerpunkt beim Thema Fortbildung.

Sie haben viel erreicht. Worauf sind Sie besonders stolz?

Der Ruf der Akademie, ihr gutes Image in allen Bereichen ist nicht nur in der Region, sondern weit darüber hinaus bekannt und darauf bin ich stolz. Ohne die Mitarbeiter, die in den vergangenen 20 Jahren hier gearbeitet haben, wäre das unmöglich gewesen. Und wenn wir morgens in den Spiegel schauen, dann wissen wir, wir machen das nicht fürs Geld, sondern alles für die Sache, für unsere Kultur, die es zu erhalten gilt und die man in ein ganz neues Zeitalter befördern muss. Und das ist unser Antrieb. Unsere Zukunftsrichtung heißt: erhalten dieses wunderschönen historischen Ensembles, die Akademie zusammen mit Gästen aus nah und fern zu beleben. Und der Ausbau unserer geschaffenen Struktur und des Konzeptes, um zukunftsfähig zu bleiben.

Das Interview führte Susanne Rötter. // Fotos: Michael Ankenbrand

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Kultur

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