10 JAHRE GOFORMORE PHILOSOPHIE

Und brichst du auf nach Ithaka, dann bitte darum, dein Weg sei weit und voller Abenteuer und Erkenntnisse. Das ist ein Vers aus einem Gedicht des neugriechischen Dichters Konstantinos Kavafis.

Er spricht von der 10 jährigen Irrfahrt des Odysseus. Was er alles erlebt hat, hat mit viel Leid, Freude und Erfahrung zu tun. Das ist das, was jeder Mensch in seinem Leben erlebt. Und um das Ziel zu erreichen, brauchen wir einen Weg. Und manchmal ist dieser Weg schwer aber voller Erkenntnisse. Deswegen sagen wir symbolisch, der Weg ist das Ziel. Ein chinesisches Sprichwort hier zu besagt, auch wenn dein Weg 3.000 Kilometer weit ist, um das Ziel zu erreichen, muss du mit dem ersten Schritt beginnen.

Das hat Dimitrios vor 10 Jahren auch gemacht. Es gibt nichts Schöneres als eine Idee, die in Erfüllung geht. Die Idee von Dimitrios ist in Erfüllung gegangen. Er sagte: „Papa ich mache eine Zeitschrift für Schwäbisch Gmünd und Umgebung.“ Ich dachte, mit seinem Charisma ist alles möglich. Dazu braucht man Klugheit, Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit. Die Gesetze der Tugend sind in den Herzen geschrieben. Der Volksmund sagt, da wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
Ich habe in diesen 10 Jahren durch meine Artikel versucht, ein bisschen griechische Kultur und Geschichte bekannt zu machen. Dazu hat mir die griechische Sprache sehr geholfen. Sie ist eine der ältesten Sprachen der Welt, mit vielen Deutungen und Bedeutungen. Die Universität von Kalifornien hat in einer Forschung über die griechische Sprache 72.000.000 Deutungen zusammengestellt. Im Vergleich dazu, die deutsche Sprache hat 120.000 Wörter und die englische
Sprache 90.000 Wörter. Die griechische Sprache ist die Mutter der europäischen Kultur. Sie selbst hat keine Mutter, deswegen heißt sie Amitor (ohne Mutter). Die deutsche Sprache ist verwandt mit der griechischen Sprache, es gibt 6000 griechische Wörter im Deutschen. Hier ein Text mit vielen griechischen Wörtern: Am Wochenende hat ein Mega Symposium stattgefunden. Die Teilnehmer waren Philosphen, Anthroposophen, Anthropologen, Pädagogen, Physiker, Astrophysiker, Mathematiker, Politiker, Architekten und Pathologen. Der Dialog endet in einer harmonischen und guten Atmosphäre.

In der griechischen Sprache liegt der Beginn der europäischen Literatur, Philosophie und Wissenschaft. Bedeutende Werke der Weltliteratur sind hier entstanden wie die Homerischen Epen, Ilias über den Trojanischen Krieg und Odyssee über die Irrfahrt des Odysseus. Diese hat übrigens auch 10 Jahre gedauert.
Das neue Testament wurde in griechischer Sprache geschrieben. Die griechische Sprache ist auch die älteste phonematische Schrift (Lautschrift) der Welt. Jeder Sprachlaut, ob vokalisch oder konsonantisch, entspricht einem Schriftzeichen.

ENTHUSIASMUS

Der deutsche Dichter und Schriftsteller Christian Morgenstern hat das Wort: Enthusiasmus (göttliche Freude, entheo: in Gott) als das schönste Wort der Erde benannt. Wir verdanken den alten Griechen die Entdeckung der Demokratie (die verbreitetste Staatsform auf der ganzen Welt) und alle wesentlichen politischen Verfahren. Die Entdeckung der Tragödie und der Komödie, der Musik und des Theaters. Die Geschichtsschreibung, die Rhetorik, den Logos und die Theorie (Theos: Gott, Rie: Fluss). Mit Homer fängt bei den Griechen alles an. Er ist der Erzieher der Griechen und der Schöpfer der europäischen Kultur. Nach Hesiod (nach Homer der größte griechische Dichter) war am Anfang Chaos. Dabei meint Chaos nicht die heute meist übliche Bedeutung von Unordnung, sondern ist eher mit Schlund, Höhle, gähnender Abgrund zu übersetzen. Gaia, die Erde und Eros, der Gott der Liebe entstanden zuerst. Danach erst folgten die Personengötter wie Uranus, Kronos und schließlich Zeus.

ARISTOTELES UND DIE ETHIK

Eine große Rolle in meinen Artikeln haben die griechischen Philosophen gespielt, die Giganten des Geistes. Einen will ich hier nennen. Er liegt mir am Herzen: Aristoteles. Der Name sagt schon alles, Aristos: ausgezeichnet und Telos: der Vollkommene. Er hat über 900 Bücher geschrieben, eine beachtliche Leistung. Einer seiner großen Hauptwerke ist die Ethik. Ziel eines guten Lebens ist das Glück, deswegen wird die Ethik auch eudämonische Ethik (Glückseligkeit) genannt. Die Ethik behandelt die Frage, was ein gutes Leben ausmacht. Ohne Angst, ohne Waffen, ohne Grenzen, ohne Egoismus, ohne Fanatismus. Ich weiß, du tust mir nichts, weil ich dir auch nichts tue. Dadurch gibt es weniger Krankheiten und glücklichere Familien. Die Ethik sollte unser aller Religion sein. Man muss bloß die Vernunft einsetzen. Die Vernunft ist das zentrale geistige Vermögen des Menschen. Sie wird dem Verstand übergeordnet. Frei ist nur der Mensch, der innerlich frei ist und nur das tut, was seine Vernunft wählt. Innerliche Freiheit bedeutet einfach Toleranz mit mir und mit den anderen Menschen.

Wer jung ist, sollte nicht zögern anzufangen zu philosophieren und wer alt ist sollte nicht müde werden im Philosophieren. Denn für keinen ist es zu früh und für keinen zu spät, sich um die Gesundheit der Seele zu kümmern. Wenn man zu leben versucht ohne zu philosophieren, dann ist das so, als hielte man die Augen geschlossen ohne daran zu denken sie zu öffnen. Philosophie ist die Arznei der Seele. Die Lust ist Ursprung und Ziel des glücklichen Lebens. Man kann nicht lustvoll leben, ohne zugleich vernünftig zu leben und umgekehrt kann man nicht vernünftig sein, ohne lustvoll zu leben. So wird die Philosophie verstanden als Einsicht und als Lebenspraxis zum Gipfel des menschlichen Daseins. Allein das klare Denken verschafft uns ein freudvolles Leben. Die Vernunft ist unser höchstes Gut.

Durch die Philosophie beseitigen wir die Angst vor dem Tode, in dem wir den Tod als Freund betrachten und nicht als Feind, weil wir den Feind sowieso nicht verstehen. Sokrates hat uns mit folgendem Beispiel gezeigt, wie es geht. Er wurde ja zum Tode verurteilt. Nachdem er den Giftbecher getrunken hatte, sagte er, nun ist es Zeit für mich wegzugehen. Es ist Zeit für mich um zu sterben und für euch, um zu leben. Wer von uns dem besseren Zustand entgegengeht, ist jedem verborgen, außer Gott. Das muss man sich durch den Kopf gehen lassen. Und hier noch ein schöner Satz von Sokrates: Das Geheimnis des Erfolges ist immer der Wille.  Noch ein Zitat von Gandhi: Der Mensch soll so leben, als würde er morgen sterben. Aber lernen soll er, als ob er ewig leben würde.
Ich wünsche meinem Sohn Dimitrios (Sitios) alles Gute für die nächsten 10 Jahre.

Text: Konstantin Gorlas, Philosoph // Foto: Michael Ankenbrand

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