WENN ANGST DEN MENSCHEN LÄHMT

Negative Gedanken kommen uns in den Sinn, um unseren Erfolg zu boykottieren. Wir müssen aus unseren Fehlern lernen, sie hinter uns lassen und nach vorne sehen.

Aus Sicht von Psychologen und Sozialwissenschaftlern ist Angst eine vielseitige Begleiterscheinung des Menschseins. Eine Emotion, die Mensch und viele Tiere gleichermaßen ergreift. Sie wirkt sowohl als treibende Kraft als auch als Hemmnis. Heute gehören jedoch Angststörungen zu den häufigsten psychischen Leiden. Angst kann wie ein Brennglas wirken, verschlimmert Dinge, die auf den zweiten Blick keine ernsthafte Bedrohung darstellen. Angst ist der Gegenpol zur Freude, zur Euphorie. Lösen sich Ängste auf, bleiben Freude, Genuss und Wohlgefühl. Wir fühlen uns frei und kraftvoll. Bleiben sie jedoch, können sie wie ein Korsett, Liebe und Freude einengen, ja begrenzen. Manchmal sogar völlig unmöglich machen. Wer Angst hat, verbindet sich automatisch mit einer negativen Kraft. Die uns im Ursprung zu Beginn der Evolution, vor Gefahren warnen und das Überleben sichern sollte. Heute existieren in den Industrienationen zumindest, keine unmittelbaren Bedrohungen mehr. Ängste sind vielmehr eher psychischer Natur. Und hinter jedem unangenehmen Gefühl steckt ein unerfülltes Bedürfnis. Angst hängt auch oft mit einer Verletzung in frühester Kindheit zusammen. Die Seele an sich kommt rein auf die Welt. Das Fühlen und Empfinden ist noch unverzerrt und objektiv. Ab dem Zeitpunkt, an dem die erste Verletzung stattgefunden hat, kommt es jedoch zu Verschiebungen in der Wahrnehmung. Nicht nur das Erfahrene wird dann zur Bedrohung, die gesamte Gefühlswelt kann in eine Schieflage geraten. Angst trifft immer die Seele. Sie schwächt sie und fördert alle schlechten Tugenden. Angst hindert einen daran, das zu tun, was man gerne tun möchte, was einem auch gut tut. Angst ist wie ein Gefängnis für die Seele.

ALTE WUNDEN HEILEN

Ziel sollte sein, um wieder frei von blockierenden Ängsten zu leben, die Seele zu heilen. Aber wie? Die Seele ist das Zarteste und doch das Mächtigste, was es gibt. Verletzt man sie, verändert sich die Wirklichkeit, negative Empfindungen verstärken sich, nehmen das Wesen ein. Angst ist ein Programm, das mit schrecklichen Paniken beginnt oder aber mit einem kleinen, leisen Zweifel, der sich über Jahre hinweg ins Unterbewusstsein schleicht, dort manifestiert und zur belastenden Angst heranwächst. Ist dieses Programm dort verankert, wird es in die Persönlichkeit eingebaut, als Wirklichkeit deutlich. Man spricht oft von Erfahrung, der Mensch hat dann eben die Erfahrung in einem ganz bestimmten Bereich gemacht. Ist es aber wirklich Erfahrung? Erfahrung ist Wissen, das aus Erlebten resultiert. Urvertrauen ist eine davon. Bestimmte Erfahrungen, ein bestimmtes Wissen gibt uns Sicherheit, inneren Frieden und ein gewisses Wohlgefühl. Springt jedoch die Angst an bei einer gewissen Erfahrung, so weiß man, dass es keine ultimative Wahrheit ist, sondern eine aus Angst entstandene Philosophie über ein ganz bestimmtes Thema.

Die Angst ist beherrschbar, wenn man sich damit abfindet, verletzlich geworden zu sein. Über die Jahre hinweg sollte das Ziel immer sein, seine Seele zu heilen. Oscar Wilde hat dies als eines der Geheimnisse des Lebens bezeichnet, die Seele durch die Sinne heilen können und die Sinne durch die Seele. Die Seele braucht Harmonie, sie braucht Tätigkeiten die sinnvoll erscheinen, sie verlangt nach Schönheit, nach Gutem. Manch einer erfährt Heilung durch eine neue Liebe, wie es so oft besungen wird, ein anderer durch das Bereisen fremder Länder, der Nächste durch das Bewirtschaften eines Gartens.

VERÄNDERUNG DURCH INFORMATION

Vorsichtig sollte man immer mit Informationen umgehen. Die Seele nimmt alles ernst und macht eine Religion daraus. Müssen, sollen, dürfen, mögen, all diese Modalverben verwenden wir gern und oft. Doch was diese Begrifflichkeiten mit uns machen, darüber sind wir uns nicht immer im Klaren. Die Kreativität ist gefragt, will man die Seele zum Heilen bringen, sie erheitern möchte. Sie ist, blockiert durch Ängste, oft planlos und verwirrt, versteht die Welt nicht mehr und empfindet vieles als sinnlos, erste Anzeichen einer Depression machen sich bemerkbar. Angst vermag auch den Geist und das Gedächtnis zu beeinträchtigen. Man ist viel vergesslicher, das Gedächtnis ist wie ein Sieb. Natürlich vermutet man dahinter oft schreckliche Erkrankungen. Vielleicht erhofft man sich sogar, dass man wirklich etwas “hat”. Und es kommt auch etwas zum Vorschein, wenn man lange genug sucht. Von Rheuma bis zu Schilddrüsenerkrankungen, Störungen des Stoffwechsels, bis hin zu Herzerkrankungen sind willkommen, um hoffentlich nichts mit den Nerven zu haben. Es ist sehr schwer, das Gehirn davon zu überzeugen, dass es vor nichts Angst zu haben braucht. Aber die Mühe lohnt sich. Man arbeitet schließlich für sich und nicht für jemand anderen, wenn man sich Gutes tun möchte. Betrachten wir es ruhig als Job für uns selbst. Für andere arbeitet man acht Stunden am Tag, für meist wenig Geld. Warum sollte man dann nicht auch acht Stunden für sich selbst arbeiten? Der Lohn ist Gesundheit und Wohlgefühl. Man lernt sich kennen und obendrein pflegt man einen der wichtigsten Menschen in seinem Leben: sich selbst.

In einer Phase von Ängsten ist der “Burn-out” oft ein Begleiter. Man sollte sehr viel Ruhe für sich einplanen und natürlich auch lange schlafen. Vielleicht früh ins Bett gehen. Ordnung ist auch für die Seele das halbe Leben. Struktur und ein guter Rhythmus sind die halbe Miete, haben wir beides gefunden, sollten wir es beibehalten. Die Seele ist sehr vielen Eindrücken unterworfen, wenn sie hochsensibel ist, noch viel intensiver. Vergleichbar mit der zarten Struktur eines Schmetterlingsflügels. Wie kann man dem gerecht werden, den vielen unkalkulierbaren Anstürmen tagtäglich. Der Schlüssel dazu ist, eine Balance zu finden zwischen dem Willenseinsatz auch etwas ertragen zu können und einer guten Möglichkeit sich zurückzuziehen. Die goldene Mitte, wie bei so vielem.

ANGST VOR MENSCHEN

Beobachtet habe ich bei Ängsten, dass meist auch Angst vor Menschen auftritt. Die Seele ist sensibel geworden im Umgang mit Menschen. Man hat nicht mehr die “Coolness” oder die Gelassenheit, Andersartigkeit zu ertragen. Irgendwie braucht man Menschen, um einen herum, die entweder gleich sensibel sind oder die nicht zu nahe an einen rankommen. Man erträgt sie nicht mehr wie bisher. Man fürchtet deren Urteil, Rückzug ist die Folge. Doch oft ist dies nicht möglich. Der Alltag beruflich wie privat, zwingt oft zum Bleiben. Ich rate, jedem, der von Ängsten geplagt wird, zu trainieren, mit Menschen zusammen zu sein. Hat man es geschafft das zu ertragen, heilt die Seele auch nach und nach. Denn man vergisst, dass bei einer Kaffeerunde oder beim Zusammensein oftmals auch Gespräche stattfinden die einen weiterbringen. Menschen weichen trotz vermeintlicher Härte an gewissen Gesprächspunkten auch auf und man kann sehr viel Herz spüren. Das wiederum ist die Heilung für die zarte, von Menschen verletzte Seele. Im Orakel von Delphi steht: Der dich verletzt, wird dich auch heilen. Und das sind nun Mal die Menschen.
Neue Impulse gilt es, zu empfangen. Positive Informationen für einen selbst. Das kann ein optimistischer Gesprächspartner sein, schöne Filme, die zum Schluss zum Happy End führen. Themen, die uns begeistern und besonders reizvoll für uns sind. Bücher können Kraftspender und Begleiter sein. Doch gute Gesprächspartner sind das Wichtigste. Von zwei Gesprächspartnern sollte man den auswählen, der einem den Blick schärft für das Schöne und nicht den, der permanent von Verschwörungen und Weltuntergangsszenarien berichtet. Die Seele nährt sich durch die Schönheit und das Gute. Auch wenn man oft genug hört, dass man auch das Negative beachten muss. Wenige wissen wohl, dass man bei Angststörungen permanent nur das Negative beachtet. Davon sollte man schleunigst wegkommen. Die Angst ist eine Illusion. Wir sollten das immer im Hinterkopf haben und ihr keine Macht geben.

Text: Dimitrios Gorlas // Foto: Michael Ankenbrand

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