GO FOR MEMORIES

Zehn Jahre „Go for More" – ein Magazin schreibt Geschichte. Die Gründer Dimitrios Gorlas und Momo Durakovic blicken im charmanten Ambiente des Restaurants „Hi, Charles“ zurück auf die Geburt des Magazins.

Januar 2008, ca. 2:30 Uhr, mitten in der Nacht. Ein Büro in Schwäbisch Gmünd. Ein Mann sitzt vor dem Monitor, setzt Bilder in ein Layout, lässt Texte einfließen. Der Kopf fällt vor Müdigkeit immer wieder auf die Brust. Dann zieht er sich Schuhe und Socken aus, geht vor die Tür und läuft barfuß durch den eiskalten Schnee. Wie es zu dieser Szene kam? Unser Jubiläumsinterview lüftet das Geheimnis – und so manches andere.

Beginnen wir ganz am Anfang – wie kamt ihr auf den Namen? Dimitrios Gorlas (DG): Das war eine schwere Geburt. Der erste Titel war Gorlas. Das war aber sozusagen zu „gorlaslastig“ (lacht). Wir haben dann wochenlang überlegt. Momo Durakovic (MD): Wir begannen mit dem Namen zu spielen und kombinierten die Silben unserer Namen – also Go für Gorlas und Mo für Momo. Dann fehlte nur noch das for. Und Mo wurde zu More – unser Kind hatte einen Namen!

Woher kanntet ihr euch? MD: Ich arbeitete als freiberuflicher Grafiker und Dimi war mein Kunde. Er hatte damals schon seine Heilpraktiker-Praxis und ich machte für ihn Flyer und andere Werbemittel. DG: Hier liegt im Grunde auch die Wurzel von Go for More. Ich wollte den Leuten mitteilen, wie großartig die Naturheilkunde ist und was heilpraktische Behandlungen alles bewirken können. Das wissen viele nicht. Da kam mir die Idee, das in Form einer Praxis-Zeitschrift zu machen. MD: Ich sagte dann – komm, lass uns das größer aufziehen. Lass uns unser eigenes Mag machen! Es gab ein paar Journale hier in Schwäbisch Gmünd und in Aalen. Aber aus unserer Sicht taugten die nicht wirklich etwas. Wir wollten etwas Neues, Ausgefalleneres machen. Dimi hat nicht lange gefackelt. Ich werde die Szene nie vergessen, wie wir uns in einem Café trafen und er mir 1000 Euro in Scheinen auf den Tisch geklatscht hat mit den Worten: „Dann leg mal los!“
DG: Ich bin eben ein Mann der Tat, aber auch ein Mann des Crashes (lacht). Ich mache keine großen Reißbrettstrategien. Wenn andere noch denken, hab ich schon gehandelt. Lieber scheitere ich, als dass ich mir selbst im Wege stehe.

“WENN ANDERE NOCH DENKEN, HAB ICH SCHON GEHANDELT.”
Dimitrios Gorlas

Viele scheitern auch trotz ausgeklügelter Kalkulationen … MD: Eben. Ja und dann ging es los. Und wie. Ehrlich gesagt, wussten wir nicht, worauf wir uns da eingelassen hatten. Das war vielleicht auch besser so, sonst hätten wir es nie begonnen. Von heut auf morgen waren Nachtschichten angesagt. Aber wir hatten den Drive, den Willen und die Leidenschaft. Unsere Brust platzte fast vor Stolz, wenn wir an unser eigenes Magazin dachten.

Und die Finanzierung? DG: Die war zunächst einigermaßen safe. Ich hatte ja meine florierende Praxis, konnte mich auch für die Arbeit am Magazin freimachen, da ich dort gute Mitarbeiter hatte. Aber natürlich kosten die Produktion, der Druck und der Vertrieb ein Heidengeld. Momo hat mir eines Tages das Angebot der Druckerei auf den Schreibtisch gelegt. Als ich dort 7000 Euro las, fuhr es mir wie ein Blitz in den Rücken und ich war selbst behandlungsbedürftig. Das konnte ich auch durch meine gut laufende Praxis nicht einfach so bezahlen. Anzeigen-Akquise war angesagt. MD: Aber sein unbeirrbarer Wille hat ihn wieder aufstehen lassen (lacht). Wenn man den Leuten etwas mit auf den Weg geben kann, was wir gelernt haben, ist es das: Der Glaube an die eigene Sache. Sich nicht unterkriegen lassen und weitermachen, auch wenn es mal schwer wird und es Rückschläge gibt. DG: Das ist wie beim Training. Der Muskel wächst nicht von ein paar Wiederholungen. Sondern vom ‚Immer wieder‘ und ‚Immer wieder‘. Und dann nochmal. So funktioniert Wachstum. Dranbleiben, auch wenn es mal schmerzt. Ich habe zum Beispiel bei der Anzeigen-Akquise für das Magazin anfangs massive Abfuhren bekommen. 70 Absagen an einem Tag – das kam vor. Das muss man auch psychisch erst mal wegstecken. Aber ich bin drangeblieben, habe die Leute täglich drei Wochen lang angerufen. Sie lachten schon: „Wieder dieser Gorlas“, aber dann merkten sie: Mensch, der meint es wirklich ernst. Dem liegt was an seiner Sache. Also gut, dann machen wir halt mal mit. MD: Leute, die uns anfangs belächelt haben, stellten nach einiger Zeit fest, die gibt’s immer noch, und dann gibt’s die immer immer noch – und das Lachen verstummte. Viele davon schalteten letzten Endes sogar Anzeigen. Und das Magazin ist gewachsen. DG: In der Tat. Wir starteten mit 48 Seiten. Aber nach einigen Ausgaben war uns das nicht mehr genug. Wir wollten höher hinaus. Wie Icarus zur Sonne. Wir wollten mehr – Go for More eben. Ein Heft ist schön, doch ein Manifest ist schöner. 80 Seiten sollten es werden. Ein großes Ziel. Ebenso groß war das Scheitern.

Go for more had gone too far? DG: Ja. So war es. Ich hatte das schon kommen sehen. Aber die Erfahrung, sich übernommen zu haben, war notwendig. Es war eine Nahtoderfahrung – nur ohne Tod (lacht). MD: Ich habe 41 Stunden durchgearbeitet. Ich zog mir nachts vor dem Rechner Schuhe und Socken aus, um barfuß durch den kalten Schnee zu laufen, damit ich wach bleibe, um das Ding vor dem Drucktermin fertigzukriegen. DG: Wir konnten die Ausgabe nicht mit Anzeigen füllen und stopften die Lücken unter immensem Zeitdruck wild mit Texten und Bildern. Es war natürlich eine Nummer mit unzähligen Fehlern. Für die Ausgabe haben wir viel Schelte bekommen. Susanne Rötter (SR): Aber wer Marketing verstanden hat, weiß: The worst press is no press. DG: Tatsächlich hat uns diese Katas- trophenausgabe nicht geschadet. Es lief danach sicher nicht schlechter. Und nach einiger Zeit waren wir mit größerem Team sogar mal bei 140 Seiten. Doch wir gingen dann wieder zurück – nach dem Motto Qualität statt Quantität.

Vom Blick zurück zum Blick nach vorn. Wohin führt der Weg der Zukunft? DG: Pläne gibt es natürlich immer. Gerade machen wir gewissermaßen eine Frischzellenkur. Das Layout erlebt einen Relaunch – und wir haben unser Team erneuert. Alles Profis, die sich in ihren Metiers ganz genau auskennen. Wir wollen gute Leute in unseren Reihen und ein gutes Produkt abliefern. SR: Einige Bereiche wie den Anzeigenverkauf möchten wir ausbauen. Hier läuft im Grunde alles über mich – ein enormes Pensum. Aber wie es aussieht, bekommen wir bald Verstärkung.

Und wen hättet ihr mal gerne auf dem Titel? DG: Keine Beauty-Queen und keinen James Bond. Ich finde ganz normale Menschen interessant – wie den Nachbarn von nebenan. Sie sind auf den ersten Blick vielleicht unscheinbar, doch ich bin überzeugt: Jeder hat seine ganz eigene, fesselnde Geschichte. MD: So wie wir unsere.

Text: C. Liederer | scriptory.de // Fotos: Michael Ankenbrand

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