STUDIUM UND BERUF? GEHT BEIDES …

LIBORIO ABBACCHI, 27 JAHRE ALT, ENTWICKLUNGSINGENIEUR BEI DER LEITZ GMBH & CO. KG.

DAS ANGEBOT AN BERUFSBEGLEITENDEN STUDIENGÄNGEN HAT IN DEN LETZTEN JAHREN STARK ZUGENOMMEN. LIBORIO ABBACCHI SPRICHT ÜBER DIE ANFORDERUNGEN UND DIE VORTEILE SEINES STUDIUMS.

Ein 35-Stunden-Job und zeitgleich ein Master-Studium? Wie gehen Sie mit der Doppelbelastund um?

Unabhängig davon, ob man sich durch ein solches Studium die Basis für den nächsten Karriereschritt schaffen oder lediglich seine Kompetenzen erweitern möchte, bedarf es großer Motivation. Schließlich investiert man einen relativ großen Anteil seiner Freizeit und viel Mühe, um diese zusätzliche Leistung erfolgreich zu erbringen. Die Wahl des Studiengangs und später der entsprechenden Wahlfächer gemäß den eigenen Interessen erleichtern die wahrgenommene Belastung. Im Rahmen meiner bisherigen Tätigkeit als Konstrukteur und später als Entwicklungsingenieur konnte ich bereits einen recht guten Überblick über den technischen Bereich unseres Unternehmens erlangen. Im Arbeitsalltag ist es allerdings schwierig, in den anderen Fachbereichen ähnliche Einblicke zu erhalten, da die Zeit sowohl auf eigener Seite als auch bei den entsprechenden Ansprechpartnern sehr knapp ist. Eine Weiterbildung, wie sie die Graduate School Ostwürttemberg mit dem MBA in General Management anbietet, ist aus meiner Sicht ein guter Weg, um allgemein ein grundlegendes Verständnis für den übergeordneten unternehmerischen Gesamtkontext zu erlangen. Ausgehend von den im Studienbetrieb vermittelten Grundlagen können Abläufe in der Praxis unter ganz anderer Voraussetzung hinterfragt und verstanden werden als zuvor. Die Praxisbezüge herzustellen und daraus neue Erkenntnisse im Arbeitsalltag zu gewinnen ist ein hochspannender Lernprozess. Das bereitet mir persönlich sehr viel Spaß, wodurch es leichter fällt mit vollem Engagement bei der Sache zu bleiben. Es bleibt dennoch eine große Herausforderung mit teilweise sehr stressigen Phasen. Im privaten Leben sind wir alle auf Verständnis und Geduld unseres Umfelds angewiesen. Es ist ein gutes Zeitmanagement gefragt, um Partnerschaft, Familie und Freundschaften gleichermaßen mit dem Studienbetrieb in Einklang zu bringen. Hier lassen sich Kompromisse selbstverständlich nicht vermeiden. Ich genieße die knappe Zeit einfach umso mehr und damit bin ich bisher ganz gut, bzw. sind wir, bisher ganz gut klar gekommen. In den Belastungsphasen hilft mir vor allem Sport gedanklich abzuschalten und den Stress zu verarbeiten.

Gibt es in Ihrem Studiengang unterschiedliche Zeitmodelle?

In unserem Studiengang gibt es nur ein Zeitmodell. Präsenzveranstaltungen sind freitags von 15:30 Uhr – 20:30 Uhr und samstags von 9:30 Uhr – 16:45 Uhr. Zusätzlich gibt es pro Studienjahr eine „Blockwoche“, d. h. bspw. Vorlesungen täglich von Montag – Freitag, bzw. Samstag, allerdings eben einmalig pro Studienjahr.

Wie viele Pflichtveranstaltungen müssen Sie in der Woche an der Hochshcule besuchen?

Für die Vorlesungen gilt keine Anwesenheitspflicht. Trotzdem nimmt jeder möglichst alle Termine gemäß den gewählten Modulen wahr. Schließlich finden hier ein großer Teil des Lernprozesses und zusätzlich der Hauptteil des Austauschs mit den Dozenten und Kommilitonen statt. Prüfungsleistungen, die Präsenz erfordern, finden ebenfalls im Rahmen des Vorlesungszeitraums statt.

Bewerber mit abgeschlossenem berufsbegleitendem Studium haben oft bessere Chancen bei der Jobsuche als Absolventen mit Vollzeitstudium. Woran liegt das?

Mit einem abgeschlossenen berufsbegleitenden Studium ist eine hohe Leistungsbereitschaft meiner Meinung nach nicht von der Hand zu weisen. Wie bereits beschrieben sind hohe Disziplin und ein gutes Zeitmanagement für einen erfolgreichen Abschluss unabdingbar – das sehen die Arbeitgeber natürlich auch. Zusätzlich kommt der Praxisbezug den berufsbegleitend Studierenden in Hinblick auf das Verständnis der Theorie zusätzlich zu Gute. Ob durch die Tätigkeit im Unternehmen selbst das unternehmerische Denken unbedingt vermittelt wird, sei mal dahingestellt. Das hängt letztlich von der jeweiligen Tätigkeit und Verantwortung ab. Es ist trotzdem nicht zu vernachlässigen, dass in einem Zeitraum von zwei Jahren wertvolle fachliche Berufserfahrung gesammelt werden kann. Das kann vor allem bei jüngeren Studenten einen großen Unterschied machen. Im alternativen Fall eines Vollzeitstudiums entfällt dies oder nimmt zumindest einen verhältnismäßig geringeren Anteil ein als bei den berufsbegleitenden Studenten. Ich denke jedoch, dass die studierenden Arbeitnehmer durch ihre Tätigkeit und das entsprechende Umfeld nicht nur auf fachlicher, sondern auch auf persönlicher Ebene die Chance besitzen sich weiterzuentwickeln. Dies äußert sich oftmals in dementsprechenden „Soft-Skills“. Diesen Eindruck habe ich im Umgang mit meinen Kommilitonen aus erster Hand gewinnen können, was mich in meiner Entscheidung für diese Studienform zusätzlich bestätigt hat.

Welche Voraussetzungen gibt es für ein berufsbegleitendes Studium?

Im Vergleich zum Vollzeitstudium sind aus meiner Sicht Disziplin und Belastbarkeit besonders hervorzuheben. Diese beiden Anforderungen fallen beim berufsbegleitenden Studium deutlich stärker ins Gewicht. Ansonsten stellen Spaß am Lernen und eine gewisse Auffassungsgabe eine gute Grundlage für den erfolgreichen Abschluss dar. Dies gilt jedoch unabhängig vom Studienmodell und des Studiengangs.

Unterstützung vom Arbeitgeber – Welche Möglichkeiten gibt es?

Grundvoraussetzung ist es, dass Unternehmen den Studierenden die zeitliche Flexibilität bieten, um uneingeschränkt am Vorlesungsbetrieb teilnehmen zu können. Zusätzlich erlauben Arbeitgeber teilweise Hausarbeiten während der Arbeitszeit zu erledigen, solange die Arbeit dadurch nicht zu kurz kommt. Aus finanzieller Sicht kann das Unternehmen die Studiengebühren teilweise oder auch komplett übernehmen. Meist bindet sich der Studierende im Gegenzug hierfür für einen gewissen Zeitraum vertraglich an das Unternehmen. Schlussendlich ist ein solches Weiterbildungsprogramm ja erfahrungsgemäß eine Win-Win-Situation für sowohl Arbeitnehmer, als auch Arbeitgeber. Ich empfehle hier Interessenten mit dem Arbeitgeber offen zu sprechen, das erleichtert die ohnehin große Aufgabe deutlich und legt eine gute Grundlage für die gemeinsame Zukunft. Das kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung bei der Fa. Leitz nur bestätigen.

Foto: Michael Ankenbrand

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