ÜBER MASSGESCHNEIDERTE BILDER UND DIE KUNST IN DER FOTOGRAFIE ZU BESTEHEN

Fotostudio Spectrum - Michael Ankenbrand

Michael Ankenbrand ist Inhaber des 1986 gegründeten Fotostudio Spectrum und freier Dozent für angewandte Fotografie an der Hochschule Aalen. Er wurde 1959 geboren und zwar in Gerabronn. Eine kleine Gemeinde im Landkreis Schwäbisch Hall. Dieses Schicksal teilt er mit Rezzo Schlauch und Joschka Fischer. Vor 41 Jahren begann er professionell zu fotografieren. Für ihn ist Fotografie ein zweidimensionales Medium. Erst der bewusste Einsatz von Licht und Schatten erzeuge eine scheinbare Dreidimensionalität. Im Gespräch mit Susanne Rötter erzählt er ein wenig über sich und die Welt der Fotografie.

Wie und wann kamen Sie das erste Mal mit Fotografie in Berührung und welches war Ihr erstes Motiv?

Das war im Jahre 1968, zur Kommunion hatte ich meine erste Kamera bekommen und habe damit versucht Eidechsen zu fotografieren. Leider erfolglos, da das Fixfokusobjektiv keine Nahaufnahmen zuließ.

Was hat Sie dazu bewogen Fotograf zu werden und was macht den Beruf für Sie so interessant?

Da sind wir wieder bei den Eidechsen. Mit 15 hatte ich genug Geld gespart, um mir eine Spiegelreflex zu kaufen und konnte jetzt alle Motive scharf einfangen – auch Eidechsen. Nach einem Praktikum während der Schulferien bei Foto Baur war es klar, dass ich Fotograf werden möchte. Was den Beruf interessant macht? Wo fange ich da an? Ich glaube, es hat viel damit zu tun, dass ich neugierig bin, was für diesen Beruf eine Grundvoraussetzung ist.  An dem Tag, an dem ich keine Lust mehr auf Neues habe, auf Begegnungen mit Menschen, Dingen, Landschaften, Gedanken und Visionen, kann ich die Kamera an den Nagel hängen.

Wie sah Ihr Start in den Beruf denn genau aus? Sind sie gelernter Fotograf?

Ja, ich habe noch ganz klassisch Fotograf gelernt. Da waren drei Jahre Lehre bei Foto Baur in Aalen, dann Wanderjahre als Geselle / Assistent in Studios in Frankfurt, Pforzheim, Stuttgart und Schwäbisch Gmünd, danach Meisterprüfung in Hamburg, anschließend, 1986, die Gründung des Studio Spectrum in Aalen. Und zwar gemeinsam mit Thomas Maier.

Ist die Berufsbezeichnung „Fotograf“ geschützt, oder darf sich jeder Fotograf nennen?

Fotograf ist heutzutage jeder, der eine Kamera halbwegs gerade halten kann. Und in Zeiten, in denen der niedrige Preis oft die Qualität einer Dienstleistung in den Hintergrund drängt, haben es gute Profis nicht leicht. Dabei kenne ich sehr gute Quereinsteiger, deren Fotos viel besser sind als die Ergebnisse mancher Meisterkollegen.

Wie würden Sie Ihren fotografischen Stil beschreiben?

Als Auftragsfotograf ordnet sich mein Stil dem Kundenwunsch oder den Gestaltungsvorgaben unter. Die Qualität muss stimmen und ich denke, dass oft schon eine gewisse Handschrift zu erkennen ist. Ich sehe mich da wie ein Maßschneider – der Anzug muss dem Kunden passen –  nicht mir.

Auf welche Ihrer Arbeiten sind Sie besonders stolz?

Auf alle die Fotos, mit denen mein Team und ich die Kunden glücklich gemacht haben. Klar, da entsteht jährlich Neues, die „Jährin“ zum Beispiel, mit der wir damals in der internationalen Kalenderschau gleichauf mit Porsche waren. Ein gemeinsames Projekt mit dem Grafikdesigner Sam Kohn und anderen Partnern.

Was zeichnet für Sie ein wirklich herausragendes Foto aus?

Das Bild muss mir etwas erzählen, was ich noch nicht weiß. Oder das, was ich schon zu kennen glaube, neu zeigen. Dann natürlich die Bildkomposition, die ist extrem wichtig! Und wenn mich dann die Technik noch mitreißt, dann ist es perfekt.

Was inspiriert Sie?

Natur, Bildende Kunst, Musik, Filme, Momente, meine Motorradreisen, Kunden, Mitarbeiter, meine Studenten – Menschen allgemein.

Viele Fotografen beschäftigen sich mit dem Thema „Film“. Gehören Sie auch zu den Filmemachern? Wenn ja, welche Projekte haben Sie in diesem Bereich schon gemacht?

Zum Film bin ich sehr spät gekommen. Für eine befreundete Schauspielerin der Theaters der Stadt Aalen, Katja Gaudard, habe ich 2004 die Kamera zu einem Experimentalfilm gemacht. Die wiederum hat mich an die französische Künstlerin Claire Guerrier weitergereicht, mit der ich dann ab 2006 einige Kunstfilme realisiert habe. Einer davon (Alice) erhielt den Basler Filmpreis.

Heutzutage klagen viele Fotografen darüber, dass Magazine wenig  bezahlen. Wie war es damals, als Sie anfingen?

Stimmt, es gab ja auch eine Zeit vor „Geiz ist geil“. Da war es noch möglich, dass ein junger Fotograf aus Ellwangen nach New York gehen konnte, um mit seiner Kamera für große Magazine die Welt einzufangen. Einer meiner Praktikanten gehörte zu den Glücklichen. Das wurde gut bezahlt. Heute riskierst Du dein Leben für ein paar Euro in Afghanistan und bekommst nicht einmal mehr die Reisekosten ersetzt. Welcher der Betriebswirte, Controller und Entenklemmer würde zwei Stunden lang fotografieren, um hinterher 25 Euro abrechnen zu können? Heutzutage kennt jeder den Preis, aber keiner den Wert.

Was würden Sie denn einem jungen Menschen heute empfehlen, der gerne Fotograf werden möchte?

Mach es nur, wenn Du sonst keinen anderen Grund hast weiter zu existieren. Es ist ein hartes Brot, wie für Schauspieler oder Tänzer. Die Wenigsten setzen sich durch und können davon leben, eine kleine Minderheit verdient sehr gut – bis ihre Arbeit „out“ ist. Der Rest bedient nebenher in der Kneipe. Mach ein Praktikum von mindestens sechs Monaten als Entscheidungshilfe. Dann gehe studieren, Kommunikationsgestaltung oder Fotografie.

„Ihre“ Studenten, die Sie an der Aalener Hochschule unterrichten, haben sich für diesen Weg wohlweislich entschieden. Wie setzten sich Ihre Klassen zusammen?

Aus Abiturienten über Leute aus technischen Berufen bis hin zu Grafikdesignern, die in der Industrie vernünftige Verdienstmöglichkeiten sehen.

Wie stark hat sich der Markt der Fotografie verändert?

Früher konnte jeder fotografieren, einige wenige konnten es auch gut. Als Profi musstest Du die richtigen Geräte oder ein Fotolabor haben. Heute leben wir in Zeiten des Bildertsunamis,  jeder knipst digital vor sich hin. Das wirkt sich extrem auf die Preise aus. Und auch auf die Qualität. Das Fotolabor wurde durch die digitale Revolution aufgegeben. Das kostete viele Arbeitsplätze. Vorher musste man sehr präzise arbeiten, weil im nachhinein nicht mehr so viel korrigiert werden konnte. Dennoch macht es sich auch heute noch bemerkbar, ob man unüberlegt an einen Auftrag oder ein Projekt geht oder gut vorbereitet.

Wenn Sie sich für ein freies Projekt entscheiden dürften, was würden Sie gern umsetzen?

Das Thema Namensgleichheit. Also Menschen mit identischen Vor – und Nachnamen so zu fotografieren, dass die Betrachter die unterschiedlichen Gesichter erforschen können. Stellen Sie sich mal vor, zehn Susanne Rötters nebeneinander, vom Baby bis zur Greisin. Und alle sehen unterschiedlich aus. Nur der Name ist der selbe. Den ja die meisten Menschen als so wichtiges Merkmal ihrer Person betrachten.

www.spectrum-fotostudio.de

 

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Portrait

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