„ICH BIN EIN MUTANT“

Deutschlands Superhirn war schon als Kind anders

Rüdiger Gamm ist ein Rechengenie, gilt als hochintelligent, hat einen IQ von 200. Er gehört zu den weltweit etwa 100 Savants (Wissenden) die als Superhelden mit außergewöhnlichen Begabungen glänzen. Was bei normalen Rechenkünstlern erstaunen hervorruft, ist für Rüdiger Gamm eine leichte Aufgabe. Er selber schätzt, dass sein Gehirn 20 bis 30 Schritte in der Sekunde verarbeiten kann, das fertige Ergebnis läuft dann wie ein Zahlenband ab. Er liest es einfach vor. Mit dieser Herangehensweise kann er achtstellige Winkelfunktionen und Fünfziger-Potenzen aller zweistelligen Zahlen berechnen. In der dreiteiligen Wissenschaftsdokumentation aus dem Jahr 2005 „Expetition ins Gehirn“ wird auch die Lebensgeschichte Rüdiger Gamms geschildert. Er war einer der insgesamt elf vorgestellten „Savants“.

„Mein Rechenvermögen ist eine Mischung aus Veranlagung und Training“, sagt er. Seine Mutter habe früher als Bankangestellte alle Kontonummern der Kunden im Kopf gehabt. Sein Vater konnte perfekt rückwärts sprechen und seine Großmutter habe noch alle Geburtstage der Einwohner von Rienharz bei Alfdorf gewusst. Gamms erster öffentlicher Auftritt machte ihn gleich berühmt: Am 15. Januar 1994 löste er in Thomas Gottschalks „Wetten, dass..?“ die Aufgaben blitzschnell.

Weil Gamm selbst schwierigste mathematische Aufgaben im Kopf löst und 108-stellige Ergebnisse in Sekundenschnelle liefert, haben Wissenschaftler das Gamm’sche Gehirn untersucht. „Die meisten Menschen rechnen mit dem Kurzzeitgedächtnis. Bei mir arbeitet der Langzeitspeicher mit“, erklärt Rüdiger Gamm. Im Gegensatz zum Normalbürger nutzt Gamm beim Rechnen auch spezielle Areale in der rechten Gehirnhälfte, die für das Erinnerungsvermögen zuständig sind. Das haben Forscher beim Beobachten seines Gehirns mit der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) herausgefunden. Doch während seiner Kindheit und Jugend wurde diese Begabung nicht erkannt, obwohl er sich schon früh von Gleichaltrigen unterschied. Als er sprechen lernte, sprach er sämtliche Worte und Sätze zunächst rückwärts aus. Im Matheunterricht musste er ab der dritten Klasse kämpfen, um überhaupt noch ein „mangelhaft“ zu erreichen. „Im Rechnen war ich der Schlechteste. Ich bin sechs Mal sitzen geblieben. Das lag aber an den Lehrern“, erzählt er. Seine mathematische Spitzenbegabung entdeckte der gelernte Versicherungskaufmann erst nach Abschluss der achten Schule, die er besuchte – im Mai 1992. „Im Radio hörte ich eine Sendung über den Deutschen Meister im Kopfrechnen und habe plötzlich gemerkt: Hoppla, ich kann ja schneller und besser rechnen als der.“

„Jeder Mensch besitzt eine einmalige Fähigkeit. Aber fast jeder neigt auch zur Selbstunterschätzung.“

 

Inzwischen rechnen sich Gamms Fähigkeiten: Der Kopfkünstler bietet Seminare, Mentaltraining und Vorträge an. In seinen Vorträgen die er als Gedächtnis- und Mentaltrainer gibt, bietet er Einblicke in sein Wissen. Und weiht die Zuhörer in die Geheimnisse des menschlichen Gehirns ein. Denn Spitzenleistungen entstehen laut ihm im Kopf und Herz. Täglich trainiert er mehrere Stunden, sein Zahlengedächtnis ebenso wie seinen Körper. Wie sein Vorbild Arnold Schwarzenegger betreibt er Bodybuilding. „Das hat sehr viel mit mentaler Konzentration zu tun, wenn man es richtig macht“, sagt Gamm. „Jeder Mensch besitzt eine einmalige Fähigkeit. Aber fast jeder neigt auch zur Selbstunterschätzung.“ Am meisten motiviere es ihn immer weiter zu machen, damit er auf seinem Gebiet weltweit der Einzige und somit auch der Beste ist. Wenn wir damit aufhören jeden Tag mehr zu versuchen – besser zu sein als am Tag zuvor – haben wir ein Problem. Denn nur, wenn wir uns immer weiter nach vorne treiben und motivieren, können wir uns weiter entwickeln und Erfolge erzielen. Er rät die Latte gegen sich selbst immer höher zu hängen. Noch als Zwanzigjähriger sei er äußerst schüchtern gewesen. Doch mit seinem Erfolg ist auch sein Selbstbewusstsein immer weiter gewachsen und einstige Probleme würden heute nicht mehr existieren.

Im März 2013 hatte sich das ZDF bei ihm persönlich gemeldet und angefragt, ob er bei der Sendung „Deutschland Superhirn“ mitmachen wolle. „Eigentlich wollte ich nicht mehr in einer solchen Samstagabend-Schau auftreten, habe aber dann doch Ja gesagt.“ Nach dem ZDF-Anruf musste er wieder sein Gehirntraining intensivieren. Hinzu kam noch, dass sein Vater drei Wochen vor der Sendung starb. Das war natürlich ein schwerer Schicksalsschlag. Dennoch gewann Rüdiger Gamm und wurde so zu „Deutschlands Superhirn“. „Ich bin ein Mutant“, sagt er und lacht. In seinem Buch „Das Brain-Training“ hat Gamm ein abwechslungsreiches Trainingsprogramm zusammengestellt, mit dem jeder seine grauen Zellen zu Bestleistungen animieren und sowohl Konzentration als auch Kreativität fördern kann.

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